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Kurz und bündig

Keine Antibiotika bei Infektion durch E. coli O157:H7: Aus harmlosen E.-coli-Bakterien, die die Darmflora von Mensch und Tier besiedeln, haben sich durch horizontalen Gentransfer neue pathogene Varianten entwickelt. Seit 1982 sind enterohämorrhagische E. coli (EHEC) bekannt. Am häufigsten findet sich die nach ihrer Antigenstruktur O157:H7 bezeichnete Variante. EHEC-Infektionen kommen vor allem in Ländern mit hochentwickelter Landwirtschaft vor. Die Übertragung erfolgt über fäkal kontaminierte Lebensmittel, vor allem unzureichend gegartes Rindfleisch, Rohwurst, nicht pasteurisierte Milch, Rohmilchprodukte u.a., aber auch fäkal-oral von Mensch zu Mensch (z.B. in Kindergärten). Meist verläuft die Infektion leicht und bleibt deshalb unerkannt. 1998 wurden in Deutschland über 640 Erkrankungen gemeldet. Allerdings besteht erst seit Ende 1998 Meldepflicht. EHEC-Infektionen können wässrig-blutige Durchfälle (hämorrhagische Kolitis) auslösen. Vor allem Kinder, alte Menschen und Immungeschwächte sind durch Komplikationen wie dem hämolytisch-urämischen Syndrom mit hämolytischer Anämie, Nierenversagen bis zur Dialysepflicht sowie der thrombotisch-thrombozytopenischen Purpura gefährdet. Die Infektion wird symptomatisch behandelt. Antibakterielle Chemotherapie gefährdet die Patienten. Die Ausscheidung der Bakterien kann verlängert und die Toxinbildung stimuliert werden (Robert-KOCH-Institut: Epid. Bull. 31/99, 227-30/ati d). Nach einer wegen des relevanten Ergebnisses jetzt vorab veröffentlichten prospektiven Kohortenstudie mit 71 Kindern unter 10 Jahren und Diarrhoe durch E. coli O157:H7 erhöht die Behandlung mit Co-trimoxazol (BACTRIM u.a.) oder Betalaktam-Antibiotika das Risiko des hämolytisch-urämischen Syndroms beträchtlich. 56% (5 von 9) der Kinder, die Antibiotika erhalten, entwickeln die Nierenkomplikation, aber nur 8% (5 von 62) ohne antibakterielle Therapie. Kinder, die an E. coli O157:H7 erkrankt sein könnten, dürfen somit keine Antibiotika erhalten, solange nicht eine Stuhlkultur auf Infektion durch andere Pathogene schließen lässt (WONG, C.S. et al.: N. Engl. J. Med. vom 29. Juni 2000; www.nejm.org).

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