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Suizide nach Antidepressivum Venlafaxin (TREVILOR): Ein 63-jähriger Mann nimmt gegen Depression den Serotonin-Noradrenalin- Wiederaufnahmehemmer Venlafaxin (TREVILOR) ein. Etwa einen Monat später wird er erhängt aufgefunden. Aus seinem Abschiedsbrief geht hervor, dass er sich in einem panikartigen Zustand befand (NETZWERK-Bericht 10.686). Bei einer 68-jährigen depressiven Rentnerin hellt sich die Stimmung durch Venlafaxin zunächst auf, zehn Tage später tötet sie sich jedoch durch Strangulation (9.515). 9% der Berichte an das australische Arzneimittel- Überwachungskomitee ADRAC zu Venlafaxin nennen Angst oder Agitation als unerwünschte Wirkung (Austral. Adv. Drug React. Bull. 1998; 17: 2). Wie bei Serotonin-Wiederaufnahmehemmern ist mit Antriebssteigerung zu rechnen. Verzögert sich bei gehemmt-depressiven Patienten zu Beginn der Behandlung die Stimmungsaufhellung, sind sie suizidgefährdet. Auch agitiert ängstlich-depressive Patienten sollen keine antriebssteigernden Antidepressiva erhalten. Bei Verdacht auf Suizidalität sind Antidepressiva anfangs mit einem Benzodiazepin zu kombinieren. Der Hersteller Wyeth betont zwar, dass bei allen depressiven Patienten das Suizidrisiko "berücksichtigt werden" müsse. Die Empfehlung, möglichst kleine Packungsgrößen zu verschreiben, um das Risiko einer absichtlichen Überdosierung gering zu halten (Fachinformation TREVILOR RETARD, Stand Dez. 1999), wird der Gefährdung indes nicht gerecht. Bei Verdacht auf Angst, Paniksyndrom und Agitation halten wir Venlafaxin für ungeeignet.

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