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Myrtol (GELOMYRTOL) - "So wirksam wie ein Antibiotikum"? Dies behauptet zumindest der Hersteller Pohl-Boskamp in der Werbung. Bei der Behandlung der akuten Bronchitis habe sich Myrtol "bei der Response-Auswertung und der Beschwerdebesserung als ebenso erfolgreich wie ein modernes Cephalosporin, ein Antibiotikum erster Wahl", erwiesen (GELOMYRTOL FORTE-Werbung, Ärzte Ztg. vom 20./21. Okt. 2000). Wir erachten dies als Irreführung: Das verwendete Cefuroximaxetil (ELOBACT u.a.) ist zwar ein Standard-Antibiotikum, jedoch keinesfalls zur Therapie der akuten Bronchitis. Diese beruht überwiegend auf Virusinfektion und heilt ohne antibakterielle Therapie innerhalb von zwei Wochen spontan ab. In der zitierten vierwöchigen Studie nehmen 676 Patienten entweder 4 x 300 mg Myrtol, 2 x 250 mg Cefuroxim, 2 bis 3 x täglich 30 mg Ambroxol (MUCOSOLVAN u.a.) oder Plazebo ein (MATTHYS, H. et al.: Arzneim.-Forsch./Drug Res. 2000; 50 (II): 700-11). Verglichen werden also das nicht angezeigte Antibiotikum, das umstrittene Expektorans Ambroxol in niedriger Dosierung sowie das ebenfalls umstrittene Myrtol. Dass eine Ethikkommission dem zugestimmt hat, erscheint uns bedenklich. Die drei Verumgruppen unterscheiden sich nicht hinsichtlich subjektiver Responder-Raten bzw. klinischer Befunde. Sie sollen jedoch gleichermaßen dem Scheinmedikament überlegen sein (Angaben zur Signifikanz fehlen weitgehend). Aus der methodisch schwachen Multicenterstudie lässt sich noch nicht einmal erkennen, ob die vier Gruppen hinsichtlich der geprüften Parameter zu Beginn überhaupt vergleichbar waren. Die Untersuchung ist für das Marketing konzipiert, wissenschaftlich aber wertlos, -Red.

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