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Korrespondenz

ANTIDEPRESSIVUM VENLAFAXIN (TREVILOR)
GEGEN HITZEWALLUNGEN?

... Ein Kollege berichtete mir über die Effektivität von Venlafaxin (TREVILOR) in niedriger Dosierung (zweimal täglich 12,5 mg) zur Behandlung von Hitzewallungen bei Patientinnen unter hormonablativer Therapie bei Mamma-Ca und Patienten unter Androgendeprivation bei Prostata-Ca ... Ich wäre Ihnen dankbar für eine Bewertung...

Dr. STÖHR (Klinik Prof. SCHEDEL)
D-94136 Thyrnau/Kellberg

Das Antidepressivum Venlafaxin (TREVILOR, a-t 1996; Nr. 7: 67) hemmt die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin in die präsynaptischen Nervenendigungen. Zur ambulanten Behandlung von Depressionen dienen üblicherweise Dosierungen zwischen 75 mg und 150 mg. In zwei kleinen Anwendungsbeobachtungen bei Frauen mit Brustkrebs in der Vorgeschichte und Männern, die wegen eines Prostatakarzinoms mit Androgenentzug behandelt werden, verringern zweimal täglich 12,5 mg Venlafaxin bei etwa 40% bis 50% die Zahl der Hitzewallungen um mindestens die Hälfte.1,2 In beiden Untersuchungen scheiden etwa 10% der Patienten wegen Störwirkungen wie Übelkeit oder Konzentrationsschwäche vorzeitig aus.

Jetzt wird eine vierwöchige Dosisfindungsstudie veröffentlicht, an der neben Frauen mit Brustkrebs in der Vorgeschichte auch solche teilgenommen haben, die die Einnahme von Hormonen wegen des erhöhten Brustkrebsrisikos ablehnen: Unter Scheinmedikament bzw. täglich 37,5 mg, 75 mg oder 150 mg Venlafaxin nimmt die Zahl der Hitzeattacken bei mindestens jeder Zweiten um 19%, 30%, 46% bzw. 58% ab. Wichtige Informationen wie die Ausgangscharakteristika der rund 200 Teilnehmerinnen oder die Zahl derjenigen, die wegen unerwünschter Wirkungen vorzeitig ausscheiden, fehlen in dieser als "Early Report" bezeichneten Veröffentlichung allerdings. Störwirkungen, vor allem Mundtrockenheit, Übelkeit, Appetitverlust und Verstopfung, nehmen dosisabhängig zu, ohne dass Zahlen genannt werden. Das beste Nutzen-Risiko-Verhältnis sollen täglich 75 mg erzielt haben.3 Für eine Bewertung reichen die Daten unseres Erachtens nicht aus.

Auch die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Fluoxetin (FLUCTIN u.a.), Paroxetin (SEROXAT, TAGONIS) und Sertralin (GLADEM, ZOLOFT) werden bei Hitzeattacken geprüft. Trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin (SAROTEN u.a.) dienten früher ebenfalls zur Linderung von Hitzewallungen unterschiedlicher Genese, beispielsweise im Rahmen eines Heroinentzuges, -Red.

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