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Korrespondenz

PC-SPES GEGEN PROSTATAKARZINOM?

Ich betreue als Arzt einen Patienten mit ossär metastasiertem Prostata-Ca. Mir wurden Unterlagen über das Präparat PC- SPES der Firma Botaniclab bzw. medpro vorgelegt, nach denen das genannte Mittel eine tumorhemmende Wirkung haben soll. Da die Therapiealternativen nicht groß sind, bitte ich um Auskunft, ob Ihnen Wirkungsweise und Erfolgsaussicht für PC-SPES bekannt sind.

W. PIELOT (Praktischer Arzt)
D-31785 Hameln

Bei PC-SPES handelt es sich um ein Gemisch aus vorwiegend chinesischen "Kräutern", darunter Ginseng, Sägepalme und Süßholz, das in den USA als Nahrungsergänzung gehandelt wird.1 Es hat offensichtlich östrogene Wirkungen, die auch bei Männern mit Prostatakarzinom dokumentiert sind. Wie bei Östrogentherapie zu erwarten, senkt PC-SPES das prostataspezifische Antigen und die Serumtestosteron-Konzentration.1,2 Östrogene wirken bei Prostatakarzinom tumorhemmend, werden aber heute wegen kardiovaskulärer Risiken nicht mehr empfohlen. Wie bei anderen Nahrungsergänzungsmitteln wird die pharmazeutische Qualität von PC-SPES durch die US-amerikanische Arzneimittelbehörde nicht kontrolliert.1 Darüberhinaus ist es hinsichtlich der Wirkstoffe nicht standardisiert, die östrogenen Effekte sind somit nicht kalkulierbar.

Aussagekräftige kontrollierte Studien zum klinischen Nutzen von PC-SPES gibt es nicht. Schwere östrogene Nebenwirkungen wie Lungenembolie, Herzinsuffizienz und Gynäkomastie bei Männern mit Prostatakarzinom sind aber in einer Häufigkeit im Prozentbereich beschrieben.3,4In Deutschland gilt PC-SPES auf Grund seiner Indikationsansprüche als Arzneimittel5 und ist nach dem Arzneimittelgesetz ohne Zulassung nicht verkehrsfähig. Wir raten von der Verwendung ab, -Red.

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