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Im Blickpunkt

BEISPIEL "BAYER-BIAS" -
MALIGNE KNEBELVERTRÄGE BEI STUDIEN

Wohl kaum jemand wird der pharmazeutischen Industrie das Recht absprechen, Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung zu kommerzialisieren. Anders sieht es jedoch mit der Einflussnahme auf die Daten selbst aus. Immer noch beanspruchen Firmen das Recht, Publikationen zu blockieren.

Als ein irischer Bakteriologe reines Ciprofloxacin für Untersuchungen zur antibakteriellen Resistenz von der Firma Bayer haben will, soll er im Gegenzug erklären, dass er "die Bayer AG schriftlich über die Testergebnisse informiert und diese ohne schriftliche Erlaubnis der Bayer AG weder publiziert noch kommerzialisiert".1 Die Formulierung scheint keine Ausnahme zu sein. Bayer will auch nach Protest des Bakteriologen nicht darauf verzichten. Die britische Zeitschrift Lancet kam kürzlich unter Druck, weil eine Firma einen Satz aus der Diskussion gestrichen haben wollte, in der Fragen zur Sicherheit eines Arzneimittels aufgeworfen werden. Erst als "The Lancet" der Firma androht, Details in einem Editorial zu veröffentlichen, wenn die Firma die federführende Autorin weiterhin wegen der unerwünschten Textpassage unter Druck setzt, kann der Text schließlich vollständig veröffentlicht werden.1 Leider nennt "The Lancet" jetzt weder Hersteller noch nähere Umstände.

Sponsoring darf nicht dazu führen, dass Firmen wissenschaftliche Daten als ihr Eigentum betrachten und nach Belieben manipulieren oder unterdrücken (vgl. a-t 2001; 32: 46). Knebelverträge der beschriebenen Art scheinen nach Erfahrungen von Ethikkommissionen häufig zu sein und werden von Studienleitern allzu oft ohne Widerstand akzeptiert. Solche Abmachungen verstoßen gegen die guten Sitten und die grundrechtlich garantierte Wissenschaftsfreiheit, lassen sich nicht mit der Verantwortung für das Wohl der in Studien einbezogenen Patienten vereinbaren und müssen geächtet werden. Grundsätzlich empfiehlt es sich, solche Ansinnen öffentlich zu machen. Wir stellen gerne hierfür Raum zur Verfügung, -Red.

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