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Korrespondenz

SPASMOLYTIKUM SPASMAN

Wie bewerten Sie das Kombinations-Spasmolytikum SPASMAN?

Dr. med. J. GOTTBERG
D-20357 Hamburg

Das Altarzneimittel SPASMAN fällt zunächst durch breite Anwendungsansprüche auf. Die Kombination aus dem Anticholinergikum Trihexyphenidyl und dem Phosphodiesterase-Hemmer Demelverin wird gegen Krampfzustände des Magen-Darm-Traktes, Gallen- und Nierenleiden, Blasenentzündung, Reizhusten und Migräne, ja sogar bei Nabelkoliken von Kindern und für die Geburtshilfe angeboten.

"Erfahrungsheilkundliche Erkenntnisse"1 sollen offenbar klinische Studien zur Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und Sinnhaftigkeit der Kombination ersetzen. Aussagekräftige Publikationen zur spasmolytischen Wirkung der Einzelsubstanzen oder ihrer Kombination fehlen.

Die unerwünschten Wirkungen von SPASMAN sind in der Fachinformation unzureichend beschrieben. Unter dem auch gegen M. PARKINSON verwendeten Bestandteil Trihexyphenidyl (ARTANE, PARKOPAN) ist mit typischen anticholinergen Effekten wie Akkommodationsstörungen, Mundtrockenheit, Tachykardie und Miktionsbeschwerden, mit zentralnervösen Wirkungen wie Schwindel, Verwirrtheit und Halluzinationen zu rechnen sowie verstärkten hirnorganischen Psychosyndromen bis zur Demenz im Alter. Euphorisierende Eigenschaften begünstigen Missbrauch.2 Mit SPASMAN kann Trihexyphenidyl dreimal so hoch dosiert werden wie zu Beginn der PARKINSON-Behandlung. In den USA wird vor der Anwendung des Anticholinergikums bei Kindern gewarnt.2 Demelverin entspricht vom Wirktyp her überholten Spasmolytika wie Papaverin. Dass spezifische Störwirkungen hierfür nicht angegeben werden, lässt weniger auf gute Verträglichkeit, sondern eher auf mangelhafte Dokumentation der international ungebräuchlichen Substanz schließen. Daten zu Kanzerogenität und Teratogenität fehlen für beide Komponenten.1

Das Nutzen-Schaden-Verhältnis von SPASMAN wurde bislang nicht von der deutschen Arzneimittelbehörde bewertet. Die Zäpfchen dürfen ohne Überprüfung noch mindestens zwei Jahre abverkauft werden (s. Seite 63), für die Tropfen strebt Merckle offenbar die Nachzulassung an.

FAZIT: Wir raten von der zweifelhaften, therapeutisch nicht begründbaren spasmolytischen Kombination SPASMAN ab. Für die beanspruchten Indikationen stehen geeignetere Therapieprinzipien zur Verfügung, z.B. Nitrate bei Gallenkoliken.

© 2001 arznei-telegramm

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