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Kurz und bündig

Antibakterielle Seifen (SKINSAN-SCRUB u.a.) für MRSA*-Patienten? Einige Hersteller (z.B. Henkel, Colgate-Palmolive, Lever, Procter & Gamble) haben in Deutschland einen Markt für Haushaltsdesinfektion und antibakteriell ausgerüstete Gegenstände eröffnet. Mittlerweile gibt es antibakterielle Kleidung, Schneidebrettchen, Waschbecken, Badfliesen und Toilettenbrillen, ja sogar antibakterielles Toilettenpapier wird mit angeblichen (aber nicht erhältlichen!) Hygienegutachten angepriesen. Fakt ist: Für kein einziges Produkt wurde nachgewiesen, dass der Verbraucher davon einen hygienischen Vorteil, d.h. Infektionsschutz, erwarten kann. Häufig eingesetzte antibakterielle Substanzen sind Schwermetallverbindungen, Benzalkoniumchlorid, Isothiazolinone, Terpenderivate pflanzlichen Ursprungs und vor allem auch in Seifen und anderen Kosmetika Triclosan. Triclosan ist auch der Inhaltsstoff von SKINSAN-SCRUB, einer antibakteriellen Seife, die von Henkel zur Ganzkörperdekontamination bei MRSA*-Patienten empfohlen wird. Triclosan gilt nach derzeitiger Kenntnis zwar als relativ gut verträglich, ist aber nicht harmlos. Es wird über die Haut aufgenommen. Triclosan-Allergien sind selten beschrieben, kommen aber vor. Als chlororganische Verbindung ist Triclosan in der Umwelt eine Dioxin-Quelle, der biologische Abbau wird durch die hohe Absorption erschwert. In Japan wurde Triclosan in Fischen nachgewiesen. Mittlerweile gibt es Triclosan-teilresistente MRSA. Triclosan kann zwei Resistenztypen erzeugen, die beide über Kreuzresistenzen zu medizinisch verwendeten Antibiotika verfügen. So finden sich bei Stämmen, die im Labor Resistenzen gegen Triclosan entwickelt haben, ebenfalls Resistenzen gegenüber Isoniazid (ISOZID u.a.; Mycobacterium smegmatis) bzw. Ciprofloxacin (CIPROBAY u.a.; Pseudomonas aeruginosa). Zur klinischen Wirksamkeit von SKINSAN-SCRUB liegt bisher nur eine Studie mit ca. 50 Patienten vor, die allerdings nur kurze Zeit nachbeobachtet wurden. Zur Dekontamination von MRSA-Patienten mittels Ganzkörperwaschungen liegen dagegen ausreichende Erfahrungen mit Chlorhexidin-haltiger (HIBISCRUB) und PVP-Jod-haltiger Seife (BETAISODONA-Seife) vor. SKINSAN-SCRUB kann so lange nicht empfohlen werden, bis weitere klinische Untersuchungen vorliegen und zudem ausgeschlossen ist, dass durch länger dauernde Anwendung Antibiotikaresistenzen erzeugt werden (F. DASCHNER).

*  Methicillin-resistente Staphylokokken-Stämme


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