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Falsch positiver Opiat-Test durch Gyrasehemmer: Immunoassays zum Nachweis von Opiaten im Urin gelten als verlässlich. Falsch positive Ergebnisse sind selten, können aber durch Mohn in Nahrungsmitteln und durch Antibiotika wie Rifampicin (RIFA u.a.) oder Ofloxacin (TARIVID u.a.) verursacht werden (MEATHERALL, R., DAI, J.: Ther. Drug Monit. 1997; 19: 98-9). Gyrasehemmer besitzen anscheinend ein besonderes Störpotenzial: In mehreren herkömmlichen Immunoassays verursachen 9 von 13 Chinolonen in vitro eine Testaktivität, die der von mindestens 300 ng Morphin pro Milliliter entspricht (BADEN, L.R. et al.: JAMA 2001; 286: 3115-9). Betroffen sind neben Ofloxacin auch Ciprofloxacin (CIPROBAY u.a.), Enoxacin (ENOXOR), Gatifloxacin (BONOQ), Levofloxacin (TAVANIC), Lomefloxacin (hierzulande nur in Augentropfen: OKACIN), Moxifloxacin (AVALOX), Norfloxacin (BAZARAN u.a.) und Pefloxacin (PEFLACIN). Falsch positive Ergebnisse treten in den in-vitro-Verdünnungsstufen bei Konzentrationen auf, die im Urin von Behandelten am ehesten nach Einnahme von Levofloxacin, Ofloxacin und Pefloxacin zu erwarten sind. Bei der Überprüfung in vivo ergibt der Opiat-Test im Urin von sechs Probanden nach einmaliger Einnahme von 500 mg Levofloxacin oder 400 mg Ofloxacin erwartungsgemäß falsch positive Ergebnisse. Die Ursache für die Kreuzreaktionen ist nicht bekannt. Gyrasehemmer und Opioide unterscheiden sich in ihrer chemischen Struktur deutlich. Um zuverlässige Ergebnisse zu erhalten, ist im Zweifelsfall eine zusätzliche Bestimmungsmethode anzuwenden, etwa mittels Gas-Chromatographie oder Massenspektrometrie. Dies ist teuer, verhindert aber die forensischen und sozialen Auswirkungen eines falsch positiven Tests.

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