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Irreversibles Nierenversagen unter Metamizol (NOVALGIN u.a.): Eine 40-jährige Frau erhält nach einem Verkehrsunfall mit schmerzhaften Prellungen eine Infusion des "Würzburger Schmerztropfes" mit Metamizol (NOVALGIN u.a.), Tramadol (TRAMAL u.a.) und Metoclopramid (PASPERTIN u.a.). In der Folge entwickelt sich ein hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) mit akuter Anurie und irreversibler Niereninsuffizienz. Einige Jahre zuvor hatte die Patientin wegen einer Nervenentzündung mehrere Wochen lang Metamizol eingenommen und vertragen (NETZWERK-Bericht 11.615). Insbesondere bei wiederholter Exposition kann das Pyrazolon-Derivat schwere Immunreaktionen, darunter auch Gefäßwandentzündungen, auslösen. Die Vaskulitis kann zum Schock führen, sich als MOSCHCOWITZ-Syndrom äußern oder als HUS. Dabei führt die Mikroangiopathie mit intravasaler Gerinnung in der Nierenstrombahn zur Schädigung der Erythrozyten und zur Hämolyse. HUS ist meist eine Erkrankung im Kindesalter. Bei Erwachsenen können Arzneimittel wie Ciclosporin A (SANDIMMUN u.a.), Mitomycin (MITOMYCIN MEDAC u.a.) und Chinin (in LIMPTAR u.a.) HUS auslösen. Wegen lebensbedrohlicher Immunreaktionen wie Agranulozytose und Schock vom Vaskulitistyp ist das zweifellos gut schmerzstillende Metamizol in vielen Ländern, z.B. Großbritannien, Kanada, Schweden und USA, nicht (mehr) im Handel (a-t 1999; Nr. 6: 64). Hierzulande wird die Anwendungsbeschränkung auf starke Schmerzen und hohes Fieber (a-t 1986, Nr. 11: 106; 1993; Nr. 11: 125) offenbar häufig missachtet: Der Trend zur Mehrverordnung hält an: 1991 wurden 15 Millionen definierte Tagesdosierungen (DDD) rezeptiert, 2000 mit 33 Mio DDD mehr als doppelt so viel (BÖGER, R. H., SCHMIDT, G.: in SCHWABE, U., PAFFRATH, D. (Hrsg.): "Arzneiverordnungsreport 2001", Berlin 2001, Seite 97).

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