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Kurz und bündig

Prednison (DECORTIN u.a.) per os zur Rückfallprophylaxe nach COPD-Exazerbation: Obgleich systemische Kortikosteroide bei mäßigen bis schweren akuten Exazerbationen der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) empfohlen und häufig gebraucht werden, wird diese Therapie bisher nur durch wenige, meist kleine randomisierte Studien gestützt (a-t 1999; Nr. 9: 91-4). Nach einer systematischen Übersicht bessern kurzzeitig angewendete systemische Kortikosteroide die anhand der forcierten Ein-Sekunden-Kapazität (FEV1) gemessene Lungenfunktion in den ersten 72 Stunden. Hinreichende Belege für einen länger anhaltenden Nutzen oder einen günstigen Einfluss auf andere Endpunkte, insbesondere die Sterblichkeit, gibt es nicht. Kortikosteroide gehen aber häufig mit unerwünschten Wirkungen, zum Beispiel Hyperglykämie, einher (WOOD-BAKER, R. et al.: Oral corticosteroids for acute exacerbations of chronic obstructive pulmonary disease [Cochrane Review]; letzte Aktualisierung am 12. Jan. 2001. In: The Cochrane Library, Issue 2, 2003. Oxford: Update Software/ ati d). Eine aktuelle kanadisch/britische Studie mit 147 über 35 Jahre alten COPD-Patienten stützt jetzt das Vorgehen. Die Studie prüft, ob täglich 40 mg Prednison per os (DECORTIN u.a.) Rückfällen nach Exazerbation vorbeugen, wenn sie nach Entlassung aus der Notfallambulanz zehn Tage lang als Zusatz zur bisherigen individuellen Therapie sowie zu standardisierten Bronchodilatatoren und Antibiotika eingenommen werden. Patienten, die stationär aufgenommen werden oder im Rahmen der Notfallbehandlung systemische Kortikosteroide erhalten haben, werden ausgeschlossen, ebenso solche mit Verdacht auf Pneumonie, Herzinsuffizienz, schwerem unkontrollierten Diabetes mellitus sowie Nieren- oder Leberinsuffizienz. Primärer Endpunkt ist die Wiedervorstellung wegen verschlechterter Atemfunktion innerhalb von 30 Tagen. 30 (43%) von 70 Patienten der Plazebogruppe erleiden einen Rückfall im Vergleich zu 19 (27%) von 70 Patienten unter Prednison. Statistisch ergibt sich nur ein Trend zu Gunsten von Prednison (p = 0,05), die Zeit bis zum Auftreten des Rückfalls ist aber signifikant verlängert (p = 0,04). Die Lungenfunktion wird auch in dieser Studie durch das Kortikoid deutlich günstiger beeinflusst: Die nach zehntägiger Einnahme gemessene FEV1 ist um durchschnittlich 34% vom Ausgangswert (im Mittel jeweils 1 Liter) gestiegen im Vergleich zu 15% unter Plazebo (p = 0,007). Drei Patienten sterben im Studienverlauf, zwei unter Kortikosteroid, einer unter Plazebo. Patienten in der Prednison-Gruppe berichten signifikant häufiger über Appetitsteigerung (46% versus 22%), Gewichtszunahme (13% vs. 1%) und Schlaflosigkeit (48% vs. 21%). Numerisch häufiger sind auch Depression (19% vs. 10%) und Angst (27% vs. 19%; AARON, S.D. et al.: N. Engl. J. Med. 2003; 348: 2618-25).

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