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Hautgranulome nach Unterspritzung von Falten mit DERMALIVE: Sechs Monate nach Unterspritzung von Hautfalten mit dem als Medizinprodukt angebotenen DERMALIVE entwickeln sich bei einer Patientin Verhärtungen, die sich rasch entzündlich verändern und mit Exsudat schmerzhaft nach außen öffnen. Besonders im Nasolabialbereich kommt es zu Deformierung und eingeschränkter Beweglichkeit. Das eingespritzte Material muss operativ entfernt werden (NETZWERK-Bericht 12.874). Im NETZWERK DER GEGENSEITIGEN INFORMATION dokumentieren wir zwei weitere Verdachtsberichte über massive Fremdkörperreaktion bzw. bohnengroße Granulome nach Anwendung von DERMALIVE (12.895, 12.137). Dem Hersteller sind weltweit bislang etwa 100 Berichte über Bildung von Fremdkörpergranulomen in Verbindung mit dem Medizinprodukt bekannt (Novamedical: Schreiben vom 29. Aug. 2003). DERMALIVE (Werbung: "Jetzt kann man eine Falte schneller verschwinden lassen, als man einen Termin beim Friseur wahrnehmen kann" [http://www.dermalive.de]) enthält gentechnisch hergestellte Hyaluronsäure (60%) sowie nicht absorbierbare Methacrylate (40%). Das Injektionsmaterial soll unter anderem zur Glättung von Hautfalten sowie zum Aufpolstern von Lippen oder Wangen in die tiefere Hautschicht injiziert werden. Hyaluronsäure kann in der Haut verzögerte Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen (LOWE, N.J. et al.: J. Am. Acad. Dermatol. 2001; 45: 930-3). Literaturbekannte Lokalreaktionen umfassen vorübergehende Schwellung, aber auch massive granulomatös- allergische Reaktionen und Abszessbildung (HÖNIG, J.F. et al.: J. Craniofac. Surg. 2003; 14: 197-200). Das Risiko besteht während der gesamten Verweildauer im Gewebe (Monate bis zu einem Jahr) und offenbar auch dann, wenn vorherige Faltenunterspritzungen gut vertragen worden sind (LUPTON, J.R., ALSTER, T.S.: Dermatol. Surg. 2000; 26: 135-7). Auch für Methacrylate ist ein allergenes Potenzial dokumentiert (JACKSON, E.M.: Am. J. Contact Dermat. 1999; 10: 49-50). Patienten müssen vor der Unterspritzung mit permanenten Injektionsmaterialien wie in DERMALIVE auf das prinzipielle Risiko von Überempfindlichkeitsreaktionen bis hin zur Notwendigkeit der operativen Entfernung hingewiesen werden.

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