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"Sprung auf ein neues Niveau" mit der Dipyridamol-Kombination AGGRENOX

"Jetzt 2 x so viele sekundäre Schlaganfälle verhindern wie mit ASS allein", verspricht Boehringer Ingelheim für seine Kombination aus dem für koronare Raubeffekte bekannten Dipyridamol (CURANTYL N 75) mit einer Minidosis von 25 mg Azetylsalizylsäure (ASS; ASPIRIN u.a.; Boehringer Ingelheim: AGGRENOX-Werbung, Forschung und Praxis 2003; 22 [Beilage zur Ärzte Ztg. vom 5. Nov. 2003]. Diese Werbeaussage stützt sich auf die Ergebnisse der ESPS*-2-Studie, in der Patienten mit vorangegangener transitorischer ischämischer Attacke (TIA) oder ischämischem Schlaganfall innerhalb von zwei Jahren unter AGGRENOX seltener einen Insult erleiden als unter ASS allein (9,5% vs. 12,5%; DIENER, H.C. et al.: J. Neurol. Sci. 1996; 143: 1-13; a-t 2002; 33: 64). Die Ereignisrate unter Plazebo liegt in dieser Untersuchung bei 15,1%. Was in der Werbung verschwiegen wird: Die in ESPS-2 angewandte ASS-Dosierung liegt mit zweimal täglich 25 mg eindeutig unter dem etablierten und gut durch Studien abgesicherten Bereich. Ein Vergleich von AGGRENOX mit den üblicherweise empfohlenen 300 mg ASS fehlt, wäre aber zur Bewertung wichtig: Nach einer Metaanalyse von ASS- Studien zur Prävention vaskulärer Ereignisse (Herzinfarkte, Insulte, plötzliche Todesfälle) wirken ASS-Dosierungen unter 75 mg möglicherweise schlechter als höhere Dosierungen (Antithrombotic Trialists' Collabor.: BMJ 2002; 324: 71-86). Aussagekräftige Studien, die die Ergebnisse der ESPS-2 stützen, finden wir nicht. Andere Vergleichsstudien mit der Kombination ergeben gegenüber ASS-Monotherapie keinen zusätzlichen Nutzen. Die Autoren einer Metaanalyse zur Kombinationsbehandlung raten zur Durchführung einer weiteren großen Studie, bevor eine Empfehlung ausgesprochen werden kann (WILTERDINK, J.L.: Arch. Neurol. 1999; 56: 1087-92). Werbefreies Fazit: Von einem Niveausprung keine Spur.


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