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Homozystein - Vitaminkombination ohne Einfluss auf Reinsulte: Nach Beobachtungsstudien soll ein auch mäßig erhöhter Homozysteinspiegel ein unabhängiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen sein. Vitamin B6, B12 und Folsäure senken den Homozysteinspiegel. In einer Schweizer Studie lässt sich die Rate der Revaskularisierungseingriffe wegen Restenosierung nach koronarer Angioplastie durch die Vitaminkombination reduzieren (a-t 2002; 33: 95). In einer soeben veröffentlichten randomisierten amerikanischen Studie wird der Einfluss der Vitamine auf die Reinsultrate nach Schlaganfall geprüft. Von 3.680 durchschnittlich 66 Jahre alten Männern und Frauen mit nicht länger als 120 Tage zurückliegendem Schlaganfall und mittlerem Homozysteinwert von 13,4 µmol/l nehmen 1.814 zusätzlich zur Standardtherapie täglich 25 mg Vitamin B6, 0,4 mg Vitamin B12 plus 2,5 mg Folsäure ein. Die Kontrollgruppe erhält die Kombination in niedriger Dosierung (200 µg Vitamin B6, 6 µg Vitamin B12 und 20 µg Folsäure). Primärer Endpunkt ist die Rate erneuter ischämischer Schlaganfälle. Der Homozysteinspiegel wird in der Hochdosisgruppe um 2 µmol stärker gesenkt als in der Niedrigdosisgruppe. Ein Effekt auf die Schlaganfallrate ergibt sich jedoch nicht: Unter hoch dosierten Vitaminen erleiden innerhalb von durchschnittlich 20 Monaten 152 (8,4%) von 1.814 Teilnehmern einen Reinsult im Vergleich zu 148 (8,1%) von 1.835 unter niedrig dosierten Vitaminen. Auch bei den sekundären Endpunkten koronare Ereignisse (6,3% versus 6,7%), Todesfälle (5,4% versus 6,3%) und einem kombinierten Endpunkt aus ischämischen Schlaganfällen, koronaren Komplikationen und Tod (16,7% versus 17,2%) ergeben sich keine signifikanten Unterschiede (TOOLE, J.F. et al.: JAMA 2004; 291: 565-75). Zu negativem Ergebnis kommt auch eine niederländische Studie, die täglich 0,5 mg Folsäure bei 593 Patienten mit stabiler koronarer Herzkrankheit prüft. Ein Kombinationsendpunkt aus Mortalität und vaskulären Komplikationen tritt im Folsäure-Arm bei 10,3% auf im Vergleich zu 9,6% in der Kontrollgruppe (LIEM, A. et al.: J. Am. Coll. Cardiol. 2003; 41: 2105-13). Nach einer bislang nicht vollständig veröffentlichten Studie (FACIT*) mit 636 Patienten nach Stentimplantation soll sich die Vitaminkombination sogar signifikant schlechter auf Restenoseraten und kardiale Ereignisse auswirken als Plazebo (LOOK, M.: Arzneiverordnung in der Praxis 2003; 30: 9-10). Beim derzeitigen Kenntnisstand lässt sich die Vitaminkombination in der Sekundärprophylaxe atherosklerotischer Erkrankungen nicht empfehlen, -Red.

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FACIT = Folate After Coronary Intervention Trial

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