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Thrombose unter Quetiapin (SEROQUEL): Ein 14-Jähriger mit der Diagnose schizoaffektive Psychose erleidet nach zweieinhalbwöchiger Einnahme von Quetiapin (SEROQUEL) eine tiefe Beinvenenthrombose. Außer diesem bei Kindern und Jugendlichen nicht auf Wirksamkeit und Unbedenklichkeit untersuchten "atypischen" Neuroleptikum nimmt der Jugendliche niedrig dosiert Pipamperon (DIPIPERON) und Lorazepam (TAVOR u.a.) ein (NETZWERK-Bericht 13.172). Unter alleiniger Behandlung mit Quetiapin entwickelt sich auch bei einem 34-jährigen adipösen Patienten mit schizophrener Psychose und Nikotinabusus eine Thrombose der Vena poplitea rechts (13.692). Obwohl laut US-amerikanischer Produktinformation von Quetiapin die Häufigkeit tiefer Thrombosen bei 0,1% bis 1% liegt (AstraZeneca [USA]: Produktinfo SEROQUEL, Stand Juni 2005), enthält die deutsche Fachinformation keinen Hinweis auf diese schwere Störwirkung (AstraZeneca [D]: Fachinformation SEROQUEL, Stand Sept. 2004). Ein erhöhtes Thromboembolierisiko unter klassischen Neuroleptika wie Chlorpromazin (MEGAPHEN u.a.) ist seit längerem bekannt (a-t 2000; 31: 88). Unter "atypischen" Neuroleptika wie Aripiprazol (ABILIFY), Risperidon (RISPERDAL) und Ziprasidon (ZELDOX) sind ebenfalls thromboembolische Ereignisse beschrieben (WICKERSHAM, R.M. et al. [Hrsg.]: "Drug Facts and Comparisons", Wolters Kluwer Health, St. Louis [USA], Febr. 2003/März 2004, Seite 939d). Sie werden in deutschen Fachinformationen jedoch nur für Olanzapin (ZYPREXA, Stand Nov. 2004) und Clozapin (LEPONEX u.a., Stand März 2003) als (sehr) seltene Störwirkungen vermerkt. Unter Clozapin ist die Sterblichkeitsrate durch Lungenembolie im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung auf das 28fache erhöht (US-amerikanische Produktinformation CLOZARIL, Stand Nov. 2004). Als mögliche Neuroleptika-bedingte Ursachen des Thromboembolierisikos werden unter anderem vermehrte Plättchenaggregation, Antikörper gegen Antikardiolipin, Gewichtszunahme/Adipositas und Sedierung diskutiert (ZORNBERG, G.L. et al.: Lancet 2000; 356: 1219-23; WAAGE, I.M. et al.: BMJ 2003; 327: 1384).

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