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Übertragung von Varizellen nach Impfung

Ein 31-jähriger Vater erkrankt neun Tage nach Impfung seines einjährigen Sohnes gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken mit dem Vierfachimpfstoff PRIORIX-TETRA schwer an Varizellen. Er entwickelt hohes Fieber und muss im Krankenhaus virostatisch behandelt werden (NETZWERK-Bericht 14.784). Windpocken sind bekanntlich eine hoch ansteckende Erkrankung. Bei der Impfung wird ein abgeschwächter Lebendvirusstamm verwendet; eine Übertragung auf anfällige Kontaktpersonen ist möglich, auch wenn der Impfling selbst weitgehend gesund bleibt und lediglich einen windpockenähnlichen Hautausschlag entwickelt. Im Zusammenhang mit der Varizellenimpfung sind Ansteckungen von Geschwistern, Spielkameraden, Eltern oder anderen Kontaktpersonen dokumentiert. Dies ist insbesondere zu bedenken, wenn Schwangere oder Personen mit geschwächter Immunabwehr im Haushalt des Impflings leben. Durch Infektion mit dem Wildvirus im Kindesalter sind über 90% der heute erwachsenen Bevölkerung gegenüber Varizellen immun. Nicht geschützte Erwachsene erkranken aber oft schwer. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat unlängst über zwei tödlich verlaufene Erkrankungen bei Erwachsenen berichtet und festgestellt, dass "mit zunehmender Auswirkung der Impfung im Kindesalter ... zukünftig Erkrankungen jenseits des Kindesalters häufiger in Erscheinung treten" könnten (RKI: Epidem. Bull. 2006; Nr. 25: 191-2). Erwachsene dürften künftig also sowohl durch Infektion mit dem Wildvirus als auch durch Transmission von Impfviren verstärkt gefährdet sein, -Red.

© 2008 arznei-telegramm, publiziert am 14. März 2008

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