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Depressive Reaktion auf Moxonidin (CYNT, Generika)

Ein 71-Jähriger nimmt gegen Bluthochdruck täglich 0,2 mg Moxonidin (CYNT, Generika) ein. Nach Verdoppelung der Dosis leidet er unter Antriebsschwäche, zwanghaftem Grübeln und suizidalen Gedanken. Dieser Zustand hält über Monate an, bessert sich aber nach Absetzen von Moxonidin innerhalb von zwei Tagen (NETZWERK-Bericht 14.697). Bereits wenige Monate nach Markteinführung von Moxonidin im Herbst 1991 erhielten wir zwei Berichte über Depression in Verbindung mit dem Antihypertensivum (5.566, 5.691, s. a-t 1993, Nr. 1: 20). Moxonidin steht dem Alpha-2-Agonisten Clonidin (CATAPRESAN, Generika) nahe, der häufig depressive Verstimmungen auslösen kann (Boehringer Ingelheim: Fachinformation CATAPRESAN, Stand Mai 2005). Angst und Depression werden in den Fachinformationen beispielsweise von MOXONIDIN HEXAL oder -RATIOPHARM als gelegentlich auftretend genannt (Stand Sept. bzw. Aug. 2003), nicht jedoch in denen von CYNT oder PHYSIOTENS (Lilly: Fachinfo CYNT, Stand Nov. 2006; Solvay: Fachinfo PHYSIOTENS, Stand Aug. 2006). Auf unsere Anfrage bezüglich dieser Diskrepanz antworten die beiden Originalanbieter wortgleich, es gäbe "keine Evidenz dafür, dass Änderungen des Gemütszustandes in einem Kausalzusammenhang mit Moxonidin" stünden; das "Vorgehen" sei "in Abstimmung mit dem BfArM erfolgt" (Lilly und Solvay: Schreiben vom 1. Apr. 2008). Während die Rote Liste für MOXOBETA 38 mögliche Störeffekte auflistet, nennt sie beim wirkstoffidentischen CYNT lediglich 16 (http://www.rote-liste.de). Zweifel sind angebracht, dass sich die Fachkreise mit Fachinformationen und der Roten Liste zuverlässig über die zu verordnenden Mittel informieren können. Wir halten Moxonidin, dessen klinischer Nutzen nicht belegt ist, für entbehrlich, -Red.

© 2008 arznei-telegramm, publiziert am 18. April 2008

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