Die Information fŘr ─rzte und Apotheker
Neutral, unabhńngig und anzeigenfrei
Kein Abonnent? Das arznei-telegramm® finanziert sich ausschlie▀lich Řber Abonnements.
Bestellen Sie ein Probeabo
vorheriger Artikela-t 2009; 40: 84nächster Artikel
Netzwerk aktuell

Angioödeme unter Dipeptidylpeptidase-IV-Hemmern

Ein 50-jähriger Mann mit Typ-2-Diabetes entwickelt nach fünftägiger Einnahme von Sitagliptin (JANUVIA, XELEVIA) ein ca. 7 cm großes Angioödem der Vorhaut, welches sich nach Absetzen bessert. Gleichzeitig nimmt er auch den ACE-Hemmer Enalapril (XANEF, Generika) ein (NETZWERK-Bericht 15.325). Eine Metaanalyse von fünf randomisierten Studien mit 13.921 Patienten errechnet ein erhöhtes Risiko von Angioödemen bei Kombination von ACE-Hemmern mit Vildagliptin (GALVUS), einem weiteren Dipeptidylpeptidase-IV-Hemmer: 14 Berichte über Angioödeme bei 2.754 Patienten (5 pro 1.000), die beide Medikamente einnehmen, stehen einem Bericht bei 1.819 Patienten (0,5 pro 1.000) gegenüber, die nur ACE-Hemmer anwenden (Odds Ratio 4,57; 95% Konfidenzintervall 1,57-13,28). Für Vildagliptin als alleinigem Auslöser für Angioödeme findet sich kein Hinweis (BROWN, N.J. et al.: Hypertension 2009; 54: 516-23). In einer ähnlichen Metaanalyse zu Sitagliptin werten die Autoren, sämtlich aktuelle oder ehemalige Mitarbeiter des US-Herstellers Merck & Co., unter den untersuchten "Angioödem-bezogenen" Ereignissen auch andere Überempfindlichkeitsreaktionen und Urtikaria mit aus (WILLIAMS-HERMAN, D. et al.: BMC Endocr. Disord. 2008; 8: 14 [16 Seiten]). Dass sie unter diesen Bedingungen keine Assoziation zu Angioödemen finden, bleibt daher ohne Aussagekraft. Dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte liegen zwei entsprechende Verdachtsberichte zu Sitagliptin und einer zu Vildagliptin vor (BfArM: Schreiben vom 28. Juli 2009). Laut Fachinformationen von Vildagliptin (Novartis Pharma: Fachinformation GALVUS, Stand Okt. 2008) sollen die Ereignisse überwiegend schwach ausgeprägt sein und sich unter fortlaufender Therapie zurückbilden. Sitagliptin soll bereits bei Verdacht auf eine Überempfindlichkeitsreaktion abgesetzt werden (MSD: Fachinformation JANUVIA, Stand Juni 2009). Wegen fehlender Langzeitdaten zu klinischer Wirksamkeit und Sicherheit sehen wir weiterhin keinen Stellenwert für diese oralen Antidiabetika (a-t 2007; 38: 56-7 und 2008; 39: 66-67).

© 2009 arznei-telegramm, publiziert am 11. September 2009

Diese Publikation ist urheberrechtlich geschŘtzt. Vervielfńltigung sowie Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen ist nur mit Genehmigung des arznei-telegramm® gestattet.