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TICAGRELOR (BRILIQUE): VERÖFFENTLICHTER ERSTATTUNGSPREIS MISSVERSTÄNDLICH

Am 13. Juni 2012 haben der GKV-Spitzenverband und AstraZeneca das mit Spannung erwartete Ergebnis ihrer Preisvereinbarung für den Thrombozytenaggregationshemmer Ticagrelor (BRILIQUE) bekannt gegeben. Es ist der erste Erstattungspreis, der im Rahmen der im Januar 2011 mit dem AMNOG* eingeführten frühen Nutzenbewertung ausgehandelt wurde (vgl. a-t 2010; 41: 101-3). Allerdings ist die gemeinsame Presseerklärung von Hersteller und GKV-Spitzenverband (1) so missverständlich abgefasst, dass mehr oder weniger in der gesamten Berichterstattung zum Thema falsch niedrige Angaben zu dem von den Kassen tatsächlich gezahlten Preis für Ticagrelor zirkulieren: Auf den Herstellerabgabepreis von 2,48 Euro pro Tag (für 180 mg täglich) gewährt der Anbieter 0,48 Euro (19,4%) Rabatt (1). Bei den daraus resultierenden Therapiekosten von 2 € pro Tag bzw. 730 € pro Jahr, die jetzt überall in der Presse zitiert werden, handelt es sich um den rabattierten Herstellerabgabepreis ohne Aufschläge für Großhandel und Apotheken und ohne Mehrwertsteuer. Faktisch werden die Kassen nach unseren Berechnungen jetzt für Ticagrelor pro Patient pro Tag 2,82 € und für eine einjährige Behandlung 1.031 €** bezahlen. Die Vereinbarung gilt rückwirkend zum 1. Januar 2012 für drei Jahre. Da der ausgehandelte Rabatt bei Ticagrelor den erhöhten Zwangsrabatt von 16% ersetzt, der derzeit und noch voraussichtlich bis Ende 2013 bei allen patentgeschützten Arzneimitteln gewährt werden muss, sparen die Kassen zudem in den ersten beiden Jahren tatsächlich nur 3,4%. Falls wie vorgesehen ab 2014 wieder der "übliche" Herstellerabschlag von 6% gilt, fällt die Differenz für die Kassen im dritten Jahr mit 13,4% etwas üppiger aus.

Ticagrelor ist als Zusatz zu Azetylsalizylsäure (ASS; ASPIRIN, Generika) bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom zugelassen, also bei Patienten mit instabiler Angina pectoris oder Herzinfarkt ohne (NSTEMI) oder mit ST-Streckenhebung (STEMI). In der Zulassungsstudie PLATO*** (2) senkt es gegenüber Clopidogrel (PLAVIX, Generika) den kombinierten primären Endpunkt aus kardiovaskulären Todesfällen, Herzinfarkten und Insulten hochgerechnet auf ein Jahr um 1,9% (9,8% versus 11,7%, NNT = 53, a-t 2011; 42: 1-3). Obwohl nach PLATO alle Patienten mit akutem Koronarsyndrom von Ticagrelor profitieren, hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) einen Zusatznutzen aus formalen Gründen nur teilweise anerkannt, im Wesentlichen bei instabiler Angina pectoris und NSTEMI (3). Warum uns Ticagrelor auch bei den übrigen Patienten in der Regel die bessere Wahl zu sein scheint, lesen Sie im aktuellen arznei-telegramm, das in wenigen Tagen erscheint.

1GKV-Spitzenverband, Astra Zeneca GmbH: Pressemeldung vom 13. Juni 2012
2WALLENTIN, L. et al.: N. Engl. J. Med. 2009; 361: 1045-57
3G-BA: Zusammenfassende Dokumentation über die Nutzenbewertung von Ticagrelor vom 15. Dez. 2011;
http://www.g-ba.de/downloads/40-268-1826/2011-12-15_AM-RL-XII_Ticagrelor_ZD.pdf

   *AMNOG = Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz
   **Während wir üblicherweise die Apothekenverkaufspreise angeben, handelt es sich bei den hier genannten Beträgen um die Summen, die die Krankenkassen tatsächlich bezahlen (Apothekenverkaufspreise abzüglich Apotheken- und Herstellerabschläge). Wie der endgültige Erstattungspreis für Ticagrelor berechnet wird, steht bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Wir gehen davon aus, dass der Rabatt wie der Zwangsrabatt "durchgereicht" (also vom Apothekenverkaufspreis abgezogen) werden wird und haben die Berechnung so vorgenommen.
    ***PLATO = Platelet Inhibition And Patient Outcome

© Redaktion arznei-telegramm, blitz-a-t 2. Juli 2012

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