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Kurz und bündig

Pharmaindustrie in den USA - Strafzahlungen in Rekordhöhe

In den USA müssen Firmen für illegales Marketing Strafzahlungen in Höhen bezahlen, die für europäische Verhältnisse undenkbar sind. "Spitzenreiter" ist derzeit GlaxoSmithKline. Die Firma musste in diesem Jahr 3 Milliarden Dollar (2,4 Milliarden Euro) zahlen, unter anderem wegen Off-label-Vermarktung der Antidepressiva Paroxetin (PAXIL; hierzulande SEROXAT) und Bupropion (WELLBUTRIN; hierzulande ELONTRIL) und weil sie kardiale und andere Risiken des Antidiabetikums Rosiglitazon (AVANDIA, in Europa außer Handel) verheimlicht hatte (ROEHR, B.: BMJ 2012; 345: e4568). GSK hat damit Pfizer Pharma in der Rangliste der höchsten Strafzahlungen abgelöst (2009: 2,3 Milliarden Dollar). Aber selbst Summen in Milliardenhöhe können unethische Vermarktungsstrategien nicht stoppen. Die Beträge scheinen für die Firmen verschmerzbar und einkalkuliert zu sein: Die 30 Milliarden Dollar, die Pharmafirmen in den USA seit 1991, also innerhalb von gut 20 Jahren, insgesamt entrichten mussten, machen lediglich "etwas mehr als zwei Drittel der Profite aus, die die zehn größten Pharmafirmen nur im Jahr 2010 erwirtschaftet haben" (Worst Pills, Best Pills News: Nov. 2012; 18 [11]: 1, 3, 6). Leitende Führungskräfte selbst werden fast nie persönlich belangt. Dies ist nicht nur ein moralisches Problem, sondern vielmehr die Basis, auf der sich kriminelles Marketing ungehindert entwickeln kann, kommentiert die US-amerikanische Verbraucherorganisation Public Citizen, die detaillierte Reports zu mehr als 20 Jahren Strafzahlungen (Abb.) veröffentlicht hat (zu finden über http://www.citizen.org/hrg1924 und http://www.citizen.org/hrg2073). So lange Firmenmanager umsatzabhängige Boni erhalten und darauf bauen können, dass sie vor persönlicher Haftung geschützt sind und ihre Firma etwaige Strafzahlungen begleicht, dürften sich unethische Vermarktungsstrategien nicht stoppen lassen. Eine Gesetzesinitiative in den USA verfolgte eine andere Strategie: Firmen sollten einige Jahre lang ihre exklusiven Vermarktungsrechte verlieren, wenn ein patentgeschütztes Originalpräparat in kriminelle Aktionen verstrickt ist. Das Vorhaben wurde jedoch abgeblockt. Angesichts der großen Dichte von Pharmalobbyisten in Washington ist dies keine wirkliche Überraschung.

Strafzahlungen der Pharmaindustrie in den USA

© 2012 arznei-telegramm, publiziert am 7. Dezember 2012

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