Die Information für Ärzte und Apotheker
Neutral, unabhängig und anzeigenfrei
Bis zu 36 CME-Punkte pro Jahr für Ärzte und 12 Fortbildungspunkte für Apotheker mit dem arznei-telegramm®!
Bestellen Sie ein Probeabo
vorheriger Artikela-t 2014;45: 111-2nächster Artikel
Nebenwirkungen

KIEFERNEKROSE UNTER KINASEHEMMER SORAFENIB (NEXAVAR)

Kieferosteonekrosen gehen mit Schmerzen, Taubheitsgefühl, Schwellung und Exsudation sowie Mundgeruch, gelockerten Zähnen und freiliegendem Kieferknochen einher. Vor allem in Verbindung mit Zoledronat (ZOMETA, Generika) und Pamidronat (AREDIA, Generika), seltener auch unter anderen Bisphosphonaten, ist diese unangenehme und langwierige Störwirkung am Knochen des Kiefers beschrieben (a-t 2005; 36: 23-4 und 2013; 44: 88, 93), beispielsweise aber auch unter der Therapie mit Antikörpern wie Bevacizumab (AVASTIN) und Denosumab (PROLIA, XGEVA) oder dem Kinasehemmer Cabozantinib (COMETIQ).* Jetzt wird in Kanada auf Kiefernekrosen in Verbindung mit dem gegen Krebs verwendeten Multikinasehemmer Sorafenib (NEXAVAR) hingewiesen.1

* Die atd Arzneimitteldatenbank nennt mit Stand vom 26. Okt. 2014 13 Wirkstoffe, die mit Kiefernekrosen in Verbindung gebracht werden: Alendronat (FOSAMAX, Generika), Bevacizumab, Cabozantinib, Clodronat (BONEFOS, Generika), Denosumab, Etidronat (ETIDRONAT JENAPHARM), Ibandronat (BONDRONAT, Generika), Pamidronat, Risedronat (ACTONEL, Generika), Sunitinib (SUTENT), Tiludronat (SKELID, außer Handel), Tocilizumab (ROACTEMRA) und Zoledronat. Bei Cabozantinib, Denosumab und Zoledronat ist häufig (Bereich 1% bis 10%) mit der Schadwirkung zu rechnen.

Als Schädigungsmechanismen kommen vor allem Hemmung des Knochenumbaus sowie Beeinträchtigung der Gefäßversorgung der betroffenen Areale, also eine Hemmung der Angiogenese, in Betracht. Dies kann die Verursachung durch Angiogenesehemmer erklären – etwa durch Tyrosinkinasehemmer oder monoklonale Antikörper mit antiangiogenen Eigenschaften. Die Schadwirkung scheint unter Sorafenib selten zu sein: Ende August 2014 überblickt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) acht Berichte.1 In der US-amerikanischen Produktinformation2 von November 2013 wird Kiefernekrose bereits als unerwünschtes Ereignis genannt, nicht jedoch in der aktuellen deutschen Sorafenib-Fachinformation3 von 2014.

Wie bei anderen Arzneimitteln, die Kiefernekrosen auslösen können, empfiehlt es sich auch vor Behandlungsbeginn mit Sorafenib, auf mögliche Risikofaktoren wie vorbestehende Zahnerkrankung, schlechte Mundhygiene, Rauchen u.a. zu achten und ggf. für angemessene prophylaktische zahnmedizinische Maßnahmen zu sorgen. Die Patienten sollten auf gute Mundhygiene achten und dem Arzt unverzüglich über Symptome im Mundraum berichten, –Red.

 
1 Can. Adv. React. Newsletter 2014; 24 (4): 4-5; http://www.a-turl.de/?k=eidg
2 Bayer (USA): US-Produktinformation NEXAVAR, Stand Nov. 2013 http://www.a-turl.de/?k=ulls
3 Bayer: Fachinformation NEXAVAR, Stand Mai 2014

© 2014 arznei-telegramm, publiziert am 14. November 2014

Diese Publikation ist urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung sowie Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen ist nur mit Genehmigung des arznei-telegramm® gestattet.

vorheriger Artikela-t 2014;45: 111-2nächster Artikel