Die Information für Ärzte und Apotheker
Neutral, unabhängig und anzeigenfrei
Kein Abonnent? Das arznei-telegramm® finanziert sich ausschließlich über Abonnements.
Bestellen Sie ein Probeabo
vorheriger Artikela-t 2015; 46: 60nächster Artikel
Nebenwirkungen

KETOAZIDOSE UNTER SGLT-2-HEMMERN

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA warnt vor Ketoazidose unter den Hemmstoffen des Natrium-Glukose-Kotransporters 2 (SGLT-2-Hemmer) Canagliflozin (INVOKANA, hierzulande Vertrieb eingestellt, a-t 2014; 45: 45-7), Dapagliflozin (FORXIGA, in XIGDUO, a-t 2013; 44: 1-3) und Empagliflozin (JARDIANCE, a-t 2014; 45: 75).

Zwischen März 2013 und 6. Juni 2014 dokumentiert die Behörde 20 Verdachtsberichte über Krankenhausaufnahmen wegen diabetischer Ketoazidose, Ketoazidose oder Ketose unter den Diabetesmitteln. Auch danach sind der FDA entsprechende Berichte zugegangen. Zumeist wurden die Gliflozine - wie zugelassen - bei Diabetes mellitus Typ 2 angewendet, einige der Patienten haben allerdings Typ-1-Diabetes. Die Symptome setzen im Median zwei Wochen nach Therapiebeginn ein (Spanne 1 bis 175 Tage). Meist besteht eine metabolische Azidose mit großer Anionenlücke und vermehrten Ketonkörpern in Blut oder Urin. In den Berichten über diabetische Ketoazidose sind die Glukosespiegel - anders als üblich - nur leicht erhöht, teilweise unter 200 mg/dl. Sonst tritt diese Störung meist bei Typ-1-Diabetes auf mit Blutglukosespiegeln, die üblicherweise über 250 mg/dl liegen. Triggerfaktoren für eine diabetische Ketoazidose wie akute Erkrankung, verminderte Kalorien- oder Flüssigkeitszufuhr oder verringerte Insulindosis sind in einigen Berichten beschrieben ebenso wie Hypovolämie, akutes Nierenversagen, Hypoxämie, verminderte Nahrungszufuhr oder Alkoholkonsum in der Vorgeschichte, die zur metabolischen Azidose beigetragen haben können. Bei etwa jedem zweiten Bericht finden sich jedoch weder Triggerfaktoren noch alternative Erklärungen für die Entwicklung einer metabolischen Azidose.1

Die FDA rät, Patienten und Pflegende darüber zu informieren, bei Zeichen einer metabolischen Azidose wie Tachypnoe, Hyperventilation, Anorexie, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Lethargie oder Veränderungen des mentalen Zustandes unverzüglich einen Arzt zu konsultieren. Bei Azidose einschließlich Ketoazidose sollen die SGLT-2-Hemmer abgesetzt werden.1

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA überblickt insgesamt 123 Verdachtsberichte über diabetische Ketoazidose unter den SGLT-2-Hemmern (87 unter Canagliflozin, 30 unter Dapagliflozin und 6 unter Empagliflozin).2 In der UAW-Datenbank des BfArM3 finden wir drei Meldungen zu Ketoazidose unter Dapagliflozin und keine zu den anderen SGLT-2-Hemmern.

Im NETZWERK DER GEGENSEITIGEN INFORMATION dokumentieren wir zwei Berichte über Frauen im Alter von 56 und 65 Jahren mit Typ-2-Diabetes, die nach Beginn der Einnahme von Dapagliflozin zusätzlich zur Behandlung mit Metformin (GLUCOPHAGE, Generika) mit metabolischer Azidose und Azetongeruch bzw. Ketonurie stationär behandelt werden müssen (NETZWERK-Berichte 16.475 und 16.774). Eine Frau verstirbt.

In aktuellen Fachinformationen der Monopräparate fehlen Hinweise auf diese Störwirkungen,4,5 für die Fixkombination von Dapagliflozin mit Metformin wird vor Ketoazidose und Laktatazidose gewarnt, allerdings nur ein Zusammenhang mit Metformin hergestellt.6 Angesichts fehlender Nutzenbelege im Hinblick auf Folgeerkrankungen des Diabetes sehen wir derzeit ohnehin keine Indikation für Gliflozine, -Red.

*  Vorversion am 18. Mai 2015 als blitz-a-t veröffentlicht.

1 FDA: Drug Safety Communications vom 15. Mai 2015 http://www.a-turl.de/?k=lleb
2 Europäische Datenbank gemeldeter Verdachtsberichte von Arzneimittelnebenwirkungen,
Stand Mai 2015, zu finden unter http://www.adrreports.eu
3 BfArM: UAW-Datenbank zu Ketoazidose unter Canagliflozin, Dapagliflozin sowie Empagliflozin,
Zugriff Juni 2015; http://nebenwirkung.bfarm.de
4 AstraZeneca: Fachinformation FORXIGA, Stand Okt. 2014
5 Boehringer Ingelheim/Lilly: Fachinformation JARDIANCE, Stand Dez. 2014
6 AstraZeneca: Fachinformation XIGDUO, Stand Okt. 2014

© 2015 arznei-telegramm, publiziert am 12. Juni 2015

Diese Publikation ist urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung sowie Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen ist nur mit Genehmigung des arznei-telegramm® gestattet.