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Korrespondenz

ECHINACEA-PRÄPARATE BEI MULTIPLER SKLEROSE?

Einige meiner Patienten mit einer Enzephalomyelitis disseminata nehmen, nicht von mir verordnet, ECHINACIN Tropfen ein. Die Beipackzettel sehen entzündliche Erkrankungen des ZNS als absolute Kontraindikation für die Echinacea-Gabe an. Ein Anschreiben an die Firma Madaus hat mir die Hintergründe dieser absoluten Kontraindikation nicht erhellt. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir hierzu weitere Informationen ... übermitteln könnten.

A. KLEIDER, Arzt für Neurologie
W-6100 Darmstadt


Echinacea-haltige Arzneimittel enthalten pflanzliche Eiweiße, Glykoproteine und Phospholipide, die immunogen wirken. Dadurch kommt es zu immunogenen Reaktionen: von Angioödem, Urtikaria und anaphylaktischem Schock bis zu Organmanifestationen wie hämolytischer Anämie oder Vaskulitis.

Nach derzeitigem Kenntnisstand spielt in der Pathogenese der Enzephalomyelitis disseminata die Auslösung einer immuntoxischen Reaktion gegen Proteinstrukturen von Nervenzellen eine Rolle. Die zusätzliche Gabe immunogener Substanzen kann auf derartige Grunderkrankungen wie ein Booster-Effekt im Sinne eines FREUND'schen Adjuvans wirken. Dies hat dann eine Progredienz und Verschlechterung der Erkrankung zur Folge. Aus diesen Gründen sind alle immunogenen Präparate, die unter dem Schlagwort "Immunstimulantien" angeboten werden, bei derartigen Erkrankungen kontraindiziert (–Red.).


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