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Korrespondenz

DMSO-HALTIGE LOKALTHERAPEUTIKA
SYSTEMISCH VERTRÄGLICH?

DMSO-haltige lokale Anwendungsformen wurden vor etlichen Jahren wegen der durch hohe Resorption bedingten systemischen Wirkungen und damit verbundenen ernsten Nebenwirkungen vom Markt genommen. Jetzt ist wieder ein DMSO-haltiges Lokaltherapeutikum im Handel, DOLOBENE Gel. Es wird unter anderem auch sogar zur Anwendung mittels Iontophorese, also einer erhöhten Resorption vorgesehen. Gibt es zuverlässige Untersuchungen, daß bei der heutigen DMSO-Zubereitung, DOLOBENE Gel, keine systemischen Nebenwirkungen zu erwarten sind?

Dr. med. BITTER (Medizinaldirektor)
W-2430 Neustadt in Holstein


DMSO ist eine hochpolare Substanz, die als Lösungsmittel für organische und anorganische Substanzen die Penetration von Arzneimitteln durch die Haut fördert (vgl. a-t 4 [1974], 28). Neben DOLOBENE Gel ist von der Vielzahl DMSO-haltiger Arzneimittel nur die Kombination von Idoxuridin mit DMSO zur Behandlung von Herpes-Infektionen der Haut übrig geblieben.

Die Applikation von DMSO auf der Haut verursacht brennendes Gefühl, Juckreiz, Hautrötung und gelegentlich Blasenbildung. Diese Effekte sind Ausdruck ausgeprägter Vasodilatation. Längerfristiger Gebrauch kann auch zu einer Dermatitis führen. Großflächige Verwendung bewirkte systemische Erscheinungen wie Übelkeit, Brechreiz, Magen-Darm-Krämpfe, Kältegefühl, Schmerzen in der Brust, Benommenheit und Kopfschmerz. Auch Überempfindlichkeitsreaktionen wurden beschrieben. Zu Bedenken Anlaß gaben damals Beobachtungen über Hämolysen, Hämoglobinurie, erhöhte Leberenzymwerte mit und ohne Ikterus sowie erhöhte Muskelenzyme unter der Anwendung von DMSO bei verschiedenen Indikationen, insbesondere nach intravenöser Anwendung. Da sich bei den unterschiedlichen Indikationen (z.B. Amyloidose, Hirnödem, rheumatische Erkrankungen oder arthritische Beschwerden) ein therapeutischer Nutzen nicht belegen ließ, war die Nutzen/Risiko-Abwägung für DMSO negativ. Entsprechende Präparate verschwanden aus der Therapie.

DOLOBENE GEL enthält 15% DMSO, 500 I.E. Heparin/g und 2,5% Dexpanthenol und soll der Behandlung von Schwellungen, Blutergüssen und Entzündungen nach Verletzungen und akuten Neuralgien dienen. Aufgrund der Zusammensetzung ist eine therapeutische Wirksamkeit des Präparates nicht zu erwarten. Da der DMSO-Gehalt jedoch lokale Rötung und Wärmegefühl infolge Vasodilatation bewirkt, wird dieser Effekt als vermeintlicher Therapie-Effekt wahrgenommen. Hier werden also Störwirkungen einer Substanz als Therapie-Effekt verkauft.

Der Hersteller nennt überwiegend leichte und vorübergehende Nebenwirkungen bei 3,4% der Behandelten, Therapieabbruch bei 0,5% wegen Hautreizung. Als häufigste Störwirkungen sind Erytheme, Juckreiz und Brennen am Applikationsort angegeben (DOLOBENE-Fachinformation, Stand Juli 1988). "Die Haut atmet die Wirkung ein" – so die Werbung für DOLOBENE Gel heute. Die Patienten atmen dann zum Teil einen typischen knoblauchartigen Geruch wieder aus. Es fehlen u.W. Untersuchungen, die, heutigen Standards entsprechend, den Nachweis führen, daß bei dem Präparat DOLOBENE Gel keine systemischen Störwirkungen eintreten (–Red.).


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