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Nachwirkungen

FSME-Impfung – Auch die Bundesärztekammer nimmt zu Indikationen und Risiken kritisch Stellung: Der Arzneimittelkommission seien zu dem ersteingeführten, aktiven Impfstoff (FSME-IMMUN, Red.) eine Reihe von Berichten über Störungen des zentralen und peripheren Nervensystems bis hin zu Krampfanfällen, Meningitis und postvakzinaler Schwerpunktneuritis zugegangen. Ein Hersteller weise in der Fachinformation im Abschnitt "Nebenwirkungen" u.a. auf Meningitis-ähnliche Symptome und "Nervenentzündung unterschiedlichen Schweregrades" hin; ein anderer Hersteller (Behringwerke, Red.) zusätzlich auf Literaturberichte über Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems, einschließlich aufsteigender Lähmungen (z.B. GUILLAIN-BARRE-Syndrom) im zeitlichen Zusammenhang mit FSME-Impfungen. "Angesichts der regional begrenzten Infektionshäufigkeit, des relativ seltenen Auftretens der Erkrankung außerhalb der Endemiegebiete und der Möglichkeit unerwünschter Wirkungen des aktiven Impfstoffes auf das zentrale und periphere Nervensystem empfiehlt die Arzneimittelkommission, die Indikation sorgfältig zu stellen und die Patienten ausführlich über Nutzen und Risiko der Impfung aufzuklären." Auf Nachfrage erklärt die zuständige deutsche Bundesoberbehörde für Impfstoffe und Sera, das Paul-Ehrlich-Institut, notfalls müsse die Firma Immuno über einen Prozeß gezwungen werden, die in Frage stehenden Risiken von FSME-IMMUN in die Gebrauchsinformation aufzunehmen. Das Paul-Ehrlich-Institut strebe gleichlautende Nebenwirkungshinweise für alle FSME-Impfstoffe in Deutschland an. Die Verlautbarung der Bundesärztekammer (Dtsch. Ärztebl. 89 [1992], C-1460) sei mit dem Paul-Ehrlich-Institut abgestimmt worden. Nach zahlreichen NETZWERK-Meldungen über neurologische Komplikationen von FSME-IMMUN baten wir das Paul-Ehrlich-Institut bereits 1988 um Maßnahmen zur Risikoabwehr. Damals befand die Behörde, die gemeldeten unerwünschten Wirkungen seien "nicht so begründet, daß Maßnahmen des Paul-Ehrlich-Instituts erforderlich sind". Wir begrüßen das Erwachen des Amtes nach nunmehr vier Jahren.


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