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Korrespondenz

ACE-HEMMER FOSINOPRIL (FOSINORM U.A.)
BEI EINGESCHRÄNKTER NIERENFUNKTION?

Die Firma Boehringer wirbt für ihren ACE-Hemmer Fosinopril (FOSINORM) mit relativer Unbedenklichkeit bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion wegen der dualen Elimination dieser Substanz ... Eine Verschlechterung der Nierenfunktion bei vorbestehender Nierenfunktionseinschränkung ist jedoch nicht kumulativ toxisch bedingt, sondern durch pharmakologische Wirkung der ACE-Hemmer an postglomerulären Arteriolen. Damit müßte man auch bei Fosinopril mit einer Verschlechterung der Nierenfunktion bei vorbestehender Einschränkung rechnen.

Dr. med. H. BREKER (Chefarzt)
Vinzenz Pallotti Hospital
W-5060 Bergisch Gladbach


ACE-Hemmer beeinträchtigen die Nierenfunktion, indem sie durch Weitstellung der postglomerulären Arteriolen den Druckgradienten im Glomerulum senken, so daß die Ultrafiltration bis auf Null zurückgehen kann. Diese pharmakodynamische Wirkung hat nichts mit der Ausscheidung des Arzneimittels über die Nieren oder die Leber zu tun. Eine solche ACE-Hemmer-bedingte Nierenfunktionsstörung würde durch Umsetzen auf Fosinopril (DYNACIL, FOSINORM) nicht beeinflußt.

Denkbar wäre, daß bei einer vorbestehenden Nierenfunktionseinschränkung ein über die Leber ausscheidbarer ACE-Hemmer von Vorteil wäre. Die Indikation für einen Wirkstoff dieser Gruppe ist jedoch bei Niereninsuffizienz wegen der möglichen zusätzlichen Beeinträchtigung der Nierenfunktion kritisch zu stellen. Falls dennoch ein ACE-Hemmer versucht wird, ist er sehr niedrig und vorsichtig zu dosieren. Der Ausscheidungsweg des ACE- Hemmers bringt dann keinen meßbaren Nutzen mehr. Fosinopril hat unter den besonderen Bedingungen der vorbestehenden Nierenfunktionseinschränkung keinen Vorteil. Den in der Werbung für DYNACIL herausgestellten "Autofocus-Effekt: Automatische Einstellung auf die Ausscheidungssituation Ihrer Patienten" erachten wir als Desinformation (Red.).


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