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OMEPRAZOL (ANTRA) PARENTERAL:
SEHSTÖRUNGEN UND BLINDHEIT?

Aus dem norddeutschen Raum gingen dem Bremer Erfassungssystem (vgl. a-t 10 [1992], 105) innerhalb kurzer Zeit zwei Verdachtsberichte über bleibende Beeinträchtigungen des Sehvermögens nach parenteraler Gabe des Ulkusmittels Omeprazol (ANTRA) zu:

Ein 58jähriger Patient wird mit ödematöser Verschlechterung einer chronischen Pankreatitis aufgenommen. Am Tag der Umstellung von Ranitidin (SOSTRIL u.a.) auf Omeprazol intravenös klagt er über Schleiersehen. Vier Tage später kann er bei fast völliger Blindheit nur noch hell/dunkel unterscheiden. Gleichzeitig verschlechtert sich sein Allgemeinzustand, und es entwickelt sich eine extreme metabolische Azidose. Ein kurzzeitiger Fieberschub ohne septischen Schock klingt sofort nach Entfernung des Pulmonalis-Katheters ab. Die Blindheit läßt sich therapeutisch nicht beeinflussen. Sie stellt sich am ehesten als ischämische Schädigung beider Papillen dar. Anatomische Grundlagen lassen sich im NMR nicht ausmachen. Weder eine Thrombose noch ein schwerer septischer Schock mit genereller Störung der Durchblutung lagen vor. Die Blindheit läßt sich deshalb nicht als Folgezustand eines septischen Schocks und/oder einer massiven Pankreatitis interpretieren.

Ein 50jähriger Patient erhält wegen eines blutenden Magenulkus drei Tage lang 200 mg Ranitidin (SOSTRIL u.a.) und pro Stunde 250 ?g Somatostatin (STILAMIN u.a.) intravenös. Vier Tage nach Umstellung von Somatostatin auf 20 mg Omeprazol intravenös klagt der Patient erstmals über Schleiersehen und Gesichtsfeldeinschränkung. Zwei Tage darauf wird eine röhrenförmige Einschränkung des Gesichtsfeldes mit Abblassung beider Papillen festgestellt, etwa im Sinne einer Ischämie. Beim Auftreten der Symptome befindet sich der Patient in gutem Allgemeinzustand ohne Schock oder venöse Thrombose. Trotz aller Gegenmaßnahmen einschließlich der hochdosierten Gabe von Glukokortikoiden bleibt der Zustand unverändert.

In der Literatur finden sich keine entsprechenden Beobachtungen. Folgen von Schockreaktionen mit Ischämien scheiden anhand der Krankheitsverläufe aus. Ischämische Ereignisse an den Koronargefäßen sind unter Omeprazol beschrieben (Angina pectoris, Herzinfarkt), ebenso bei älteren Patienten Verwirrtheitszustände. Eine pathogenetische Zuordnung der Beobachtungen ist jedoch derzeit nicht möglich. Wir bitten unsere Leser, gleichartige Beobachtungen an das NETZWERK DER GEGENSEITIGEN INFORMATION zu melden.


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