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Schwere paraplegische Enzephalomyeloradikulitis nach FSME-Impfung: Eine Arbeitsgruppe der Neurologischen Universitätsklinik Freiburg beschreibt nach der Zweitimpfung gegen die Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) eine schwere fortschreitende spastische Paralyse der oberen und unteren Extremitäten mit sensomotorischen Ausfällen bei einem 54jährigen Patienten. Die schwere neurologische Komplikation begann am 5. Tag nach der Impfung mit Taubheitsgefühl und Mißempfindungen an den unteren Gliedmaßen – gefolgt von Ataxie. 17 Tage später hatte sich eine spastische Tetraplegie mit gesteigerten Reflexen und Streßinkontinenz entwickelt. Am 23. Tag war das Gesamteiweiß im Rückenmarkswasser bei relativer Zellarmut vermehrt. Die umfangreichen differentialdiagnostischen Untersuchungen ergeben keine Hinweise auf multiple Sklerose oder Infektionen mit neurotropen Viren. Die elektrophysiologischen Befunde sprechen für eine Radikulitis. In der Magnetresonanzdarstellung finden sich Signale einer Myelitis im Bereich von C1/2 bis C6/7 ohne Zeichen einer Schwellung des Rückenmarks sowie multiple Läsionen im Bereich der weißen Substanz des Gehirns, die klinisch ohne Symptomatik blieben. Die Symptome verschlechterten sich im Verlauf der nächsten fünf Monate und ließen sich durch Kortikoide und Immunglobuline nicht aufhalten. Nach der Vorgeschichte, den Befunden und dem klinischen Verlauf sehen die Autoren "starke Evidenzen für einen Kausalzusammenhang zwischen FSME-Impfung und der schweren Myelitis" (BOHUS, M. et al.: Lancet 342 [1993], 239).


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