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Korrespondenz

MISSBRAUCH VON PROLINTAN (KATOVIT)

In der Westfälischen Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Neurologie betreuen wir eine junge Frau, die seit über 12 Jahren eine komplizierte und gefährliche Suchterkrankung entwickelt hat, welche sich ausschließlich auf die Einnahme hoher Dosen KATOVIT beschränkt. Zum ersten mißbräuchlichen Kontakt mit Medikamenten kam es bei der jungen Frau, als sie mit 15 Jahren (mit einer Freundin) Ephedrin ausprobierte. Kurze Zeit später stieg sie auf das leichter erhältliche, da frei verkäufliche KATOVIT um. Sie nimmt das KATOVIT jeweils in großen Mengen von 10 bis 30 Tabletten ein und erzielt damit einen psychoseähnlichen Zustand, in dem sie für sich und auch andere gefährlich sein kann. Sie selbst schildert, daß KATOVIT ihr einziges Lebensziel sei, was ihr keine andere Droge ersetzen könne.

Inzwischen ist die Patientin bei uns seit fünf Jahren ununterbrochen auf geschlossenen Stationen untergebracht. Jeder Versuch ihr mehr Freiheit zu ermöglichen, wird von ihr sofort mit einem Gang zur nächsten Apotheke zum Kauf des ersehnten "Lebensglücks KATOVIT" genutzt... (s. auch a-t 7 [1993], 65). Es ist keine Übertreibung, daß diese junge Frau seit vielen Jahren diejenige ist, die uns am anhaltendsten zur Verzweiflung bringt.

Prof. Dr. Dr. K. DÖRNER
Westf. Klinik f. Psychiatrie, Psychosomatik u. Neurologie
D-33334 Gütersloh


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