Die Information für Ärzte und Apotheker
Neutral, unabhängig und anzeigenfrei
arznei-telegramm® - von Ärzten und Apothekern für Ärzte und Apotheker. Unabhängig informiert ohne Einfluss der Pharmaindustrie.
Bestellen Sie ein Probeabo
vorheriger Artikela-t 1993; Nr.10: 95nächster Artikel
Therapieempfehung

ANTIDEPRESSIVA GEGEN SCHMERZEN

Trizyklische Antidepressiva gelten als Mittel der Wahl zur Linderung von Schmerzen bei endogener Depression. Organisch begründete Schmerzen mit psychischer Komponente sprechen ebenfalls auf Antidepressiva an.1 In kontrollierten klinischen Studien lindern Antidepressiva Nervenschmerzen, Spannungskopfschmerz, Migräne und atypischen Gesichtsschmerz. Weniger überzeugend wirken sie bei rheumatisch bedingten Schmerzen mit Ausnahme von Fibromyalgien. In sechs kleinen kontrollierten Studien beeinflussen Antidepressiva Symptome chronischer Rückenschmerzen nicht besser als Plazebo.2 Depressive und nicht depressive Personen sprechen gleichermaßen auf die Behandlung an,2 im Gegensatz zur antidepressiven Wirkung meist bereits nach drei bis sieben Tagen.1 Bisweilen reichen auch niedrigere als die zur Behandlung von Depressionen empfohlenen Dosierungen aus.3

Amitriptylin (SAROTEN u.a.) und Imipramin (TOFRANIL u.a.) wirken gut schmerzlindernd. Wer die dämpfende Komponente von Amitriptylin nicht verträgt, kann auf Desipramin (PERTOFRAN) ausweichen. Im kontrollierten Vergleich an 38 Patienten mit diabetischer Neuropathie wirkt das antriebssteigernde Mittel mit Schmerzlinderung bei 23 Personen (61%) ähnlich gut wie Amitriptylin (28 Personen = 74%). Dagegen verringert der selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Fluoxetin (FLUCTIN) in einer Studie mit 48 Diabetikern Nervenschmerzen nicht besser als ein (aktiviertes) Plazebo, das unerwünschte Wirkungen des Verums nachahmt.3

FAZIT: Trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin (SAROTEN u.a.), nicht jedoch selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer wie Fluoxetin (FLUCTIN), lindern manche Schmerzen bei Neuropathien, Spannungskopfschmerz, Migräne und atypischen Gesichtsschmerz. Meist läßt sich jedoch nur eine partielle Analgesie erzielen. Die anticholinergen und zum Teil dämpfenden Begleitwirkungen werden als negativ empfunden.

1

SORGE, J. in: ZENZ, M., I. JURNA: "Lehrbuch der Schmerztherapie", Wissenschaftl. Verlags GmbH, Stuttgart, 1993, S. 276

2

TURNER, J. A., M. C. DENNY: J. Family Practice, in Druck

3

MAX, M. B.: Vortrag, VII. World Congress on Pain, Paris, 24. Aug. 1993


© 1993 arznei-telegramm

Diese Publikation ist urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung sowie Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen ist nur mit Genehmigung des arznei-telegramm® gestattet.

vorheriger Artikela-t 1993; Nr.10: 95nächster Artikel