Die Information für Ärzte und Apotheker
Neutral, unabhängig und anzeigenfrei
Verschen­ken Sie ein Abo des arznei-telegramm® – die unabhängige Arzneimittelinformation für Ärzte und Apotheker.
Hier geht es zum
Bestell­formular
vorheriger Artikela-t 1993; Nr.11: 123-4nächster Artikel
Neu auf dem Markt

APPETITHEMMER DEXFENFLURAMIN (ISOMERIDE)

Als "Traumkapsel" und "Wunderpille" zum Abnehmen "ohne Frust, ohne strenge Hunger-Diät" preist eine Frauenzeitschrift den im Oktober eingeführten verschreibungspflichtigen Appetithemmer Dexfenfluramin (ISOMERIDE) an.1 Es handelt sich um die rechtsdrehende Molekülvariante des bereits seit 1971 erhältlichen Amphetaminabkömmlings Fenfluramin (PONDERAX).

KLINISCHE STUDIEN: In Studien mit bis zu drei Monaten Dauer ist Dexfenfluramin Plazebo zwar überlegen, doch hatten die Patienten im allgemeinen nach wenigen Monaten ihr altes Gewicht wieder erreicht.2 In einer einjährigen Studie, aus der 40% der Adipösen wegen Unzufriedenheit mit der Wirksamkeit, Störwirkungen und aus anderen Gründen vorzeitig ausschieden, nahmen 257 Patienten mit kalorienarmer Diät und Einnahme von Dexfenfluramin durchschnittlich fast 10 kg ab, in der Plazebo-Gruppe (n = 227) dagegen immerhin rund 7 kg.3

STÖRWIRKUNGEN: Häufig müssen Übelkeit, Durchfall, Verstopfung und Mundtrockenheit in Kauf genommen werden, ferner zentralnervöse Effekte wie Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit oder Schlaflosigkeit, Depression und Angst.4 In der Schweiz starb eine junge Frau an Lungenbluthochdruck,5 eine Schädigung, die für Appetithemmer verschiedener chemischer Strukturen beschrieben ist. Schädigende Effekte auf serotoninerge Nervenzellen im Versuch an Affen geben zu Bedenken Anlaß.6 Fenfluramin kann Abhängigkeit vom Amphetamintyp erzeugen.

FAZIT: Durch Einnahme der Fenfluramin (PONDERAX)-Variante Dexfenfluramin (ISOMERIDE) läßt sich das Körpergewicht kurzfristig besser senken als mit Plazebo. Vergleiche mit der Muttersubstanz liegen nicht vor. Nach Absetzen ist mit Anstieg auf das Ausgangsgewicht zu rechnen. Die für Appetithemmer typischen Störwirkungen schließen Schlafstörungen, Depression und seltenen, aber stets lebensbedrohlichen Lungenbluthochdruck ein. Daher erachten wir die Nutzen/Risiko-Bilanz für negativ. Langfristige Gewichtsabnahme erfordert Umstellung von Ernährungs- und Lebensgewohnheiten (z.B. mehr Bewegung).


© 1993 arznei-telegramm

Diese Publikation ist urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung sowie Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen ist nur mit Genehmigung des arznei-telegramm® gestattet.

vorheriger Artikela-t 1993; Nr.11: 123-4nächster Artikel