Die Information für Ärzte und Apotheker
Neutral, unabhängig und anzeigenfrei
Das Rezept, um stets auf dem Laufenden zu sein. Unabhängig informiert durch das arznei-telegramm®.
Bestellen Sie ein Probeabo
vorheriger Artikela-t 1995; Nr.1: 8nächster Artikel
Nachwirkungen

Naftidrofuryl (DUSODRIL u.a.)-Ampullen vor dem Aus: Akuter Kreislauf- und Atemstillstand sowie Krampfanfall folgen bei einer 24jährigen Frau der erstmaligen Injektion von 40 mg Naftidrofuryl (DUSODRIL) gegen akuten Hörsturz (NETZWERK-Bericht 5043). Bei einer 80jährigen Frau erfordert die Injektion des sogenannten Durchblutungsförderers Reanimationsmaßnahmen wegen kardialer Dekompensation und Lungenödem (Bericht 6150). Ein 65jähriger Mann reagiert mit unerträglichem Kopfdruck, Brustschmerzen, Beklemmung und Angst (Bericht 5810). Auch ausgeprägte Tachyarrythmien sind als Folge der parenteralen Anwendung von Naftidrofuryl beschrieben (Berichte 1356, 1369; a-t 10 [1991], 92).

Während Bundesgesundheitsamt und Arzneimittelkommission unlängst eine Dosisbegrenzung für Naftidrofuryl-Ampullen als ausreichend erachteten, rieten wir angesichts des zweifelhaften Nutzens "schon aus Haftungsgründen von der Anwendung ab" (a-t 4 [1992], 40). In Österreich verlor parenterales Naftidrofuryl inzwischen wegen der ungünstigen Nutzen- Risiko-Relation die Marktzulassung. Zwei tödlich endende Injektionen mit Naftidrofuryl nimmt nun auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zum Anlaß, der parenteralen Behandlungsform die Zulassung zu entziehen: Ein elfjähriges herzgesundes Kind mit Innenohrfunktionsstörungen erleidet unmittelbar im Anschluß an die Injektion Kreislaufkollaps und Herzstillstand. Sofort eingeleitete Wiederbelebungsmaßnahmen bleiben erfolglos. Eine 65jährige Patientin kollabiert nach der i.v.-Injektion in der Praxis. Trotz Notfallmaßnahmen und stationärer Aufnahme verstirbt die Frau im Koma an Herzkreislaufstillstand. Als Schädigungsmechanismen kommen direkte kardiotoxische Effekte sowie allergische Reaktionen auf den Wirkstoff in Betracht (Pharm. Ztg. 139 [1994], 4490). Die von Herstellern Naftidrofuryl-haltiger Injektionslösungen vorgesehenen Einschränkungen – kein i.v.-Bolus, keine parenterale Behandlung von unter 18jährigen (Hexal/Lipha: Rote Hand Brief vom 30. Dez. 1994) – verfehlen das Ziel, –Red.


© 1995 arznei-telegramm

Diese Publikation ist urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung sowie Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen ist nur mit Genehmigung des arznei-telegramm® gestattet.