Die Information für Ärzte und Apotheker
Neutral, unabhängig und anzeigenfrei
arznei-telegramm® - von Ärzten und Apothekern für Ärzte und Apotheker. Unabhängig informiert ohne Einfluss der Pharmaindustrie.
Bestellen Sie ein Probeabo
erste Seite a-t 1995; Nr.3: 25nächster Artikel
a-t-aktuell

Prokinetikum Cisaprid (ALIMIX, PROPULSIN) und lebensbedrohliche Kammerarrhythmien: Ende Februar informiert Janssen Apotheker und "in Frage kommende Arztgruppen" über QT-Verlängerung und ventrikuläre Arrhythmien, die in den USA bei zwei schwerkranken Patienten unter gleichzeitiger Behandlung mit dem Prokinetikum Cisaprid (ALIMIX, PROPULSIN) und dem Antimykotikum Ketoconazol (NIZORAL) auftraten (Schreiben der Janssen GmbH vom 13. Febr. und 1. März 1995). Der von Janssen in den USA in einem Dear Doctor Letter gegebene Hinweis auf die Lebensbedrohlichkeit der Interaktion fehlt im deutschen, ohne Rote-Hand-Symbol versendeten Schreiben. Innerhalb von eineinhalb Jahren gingen der amerikanischen Arzneibehörde in Verbindung mit Cisaprid 18 Berichte über ventrikuläre Arrhythmien zu, darunter 12 mit QT-Verlängerung und chaotischer Kammertachykardie (Torsades de pointes). Hieraus errechnet Janssen/USA eine Häufigkeit schwerer Arrhythmien von 1 : 120.000 Patienten. Unter Berücksichtigung einer Dunkelziffer erscheint ein Risiko von 1 : 12.000 realistisch. Azol-Antimykotika wie Itraconazol (SEMPERA, SIROS), Ketoconazol per os und Miconazol (DAKTAR) i.v. hemmen Zytochrom-P450-Enzyme und damit den Abbau von Cisaprid und zahlreichen anderen Arzneimitteln. Auch unter der Kombination von Azol-Antimykotika mit den Antiallergika Terfenadin (TELDANE u.a.; a-t 11 [1991], 106) oder Astemizol (HISMANAL; a-t 11 [1992], 116) ist mit bedrohlichen Herzrhythmusstörungen zu rechnen (WOLFE, S. M.: Lancet 345 [1995], 508 / ati d).


© 1995 arznei-telegramm

Diese Publikation ist urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung sowie Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen ist nur mit Genehmigung des arznei-telegramm® gestattet.

erste Seite a-t 1995; Nr.3: 25nächster Artikel