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Bedenken gegen FEMOVAN/MARVELON u.a. bestätigt: Nach Veröffentlichung der Studien über thromboembolische Ereignisse in Verbindung mit oralen Kontrazeptiva bleibt es dabei: Die Einnahme von Hormonkombinationen der dritten Generation mit den Gestagenen Gestoden (FEMOVAN, MINULET) oder Desogestrel (LOVELLE, MARVELON u.a.) verdoppelt das Risiko tiefer Venenthrombosen (1 : 3.500 Frauenjahre) gegenüber bewährten Kontrazeptiva der zweiten Generation (1 : 7.000) mit Levonorgestrel (MINISISTON, MICROGYNON u.a.) oder Norethisteron (CONCEPLAN N, SINOVULA MIKRO u.a.) (MEIRIK, O. et al.: Lancet 346 [1995], 1582; JICK, H. et al.: Lancet 346 [1995], 1589; SPITZER, W. O. et al.: Brit. Med. J. 312 [1996], 83). Ein Editorial im British Medical Journal unterstützt die Entscheidung des britischen Committee on Safety of Medicines (CSM), das bereits vor Veröffentlichung der Studien Desogestrel- und Gestoden-Präparate zu Pillen der letzten Wahl erklärt hat (a-t 11 [1995], 105; McPHERSON, K.: Brit. Med. J. 312 [1996], 68). Hätte das CSM wie von Kritikern gefordert, erst die Veröffentlichung der Studien abgewartet, wären rechnerisch 80 weitere, vermeidbare Venenthrombosen und ein Todesfall in Kauf genommen worden. Geht man von sechs Millionen Pillenanwenderinnen in Deutschland aus, von denen jede dritte Desogestrel- bzw. Gestoden-haltige Präparate einnimmt, erkranken im Vergleich zur Verwendung von Pillen der zweiten Generation jährlich rechnerisch rund 300 Frauen zusätzlich an tiefer Venenthrombose. Vermutungen über einen "Risikoausgleich" durch Senkung der Herzinfarktrate finden auch in der von Schering finanzierten Studie keinen nachvollziehbaren Rückhalt. Unterschiede in der Häufigkeit von Herzinfarkten nach Gebrauch von Pillen der zweiten und dritten Generation lassen sich statistisch nicht absichern (LEWIS, M. A. et al.: Brit. Med. J. 312 [1996], 88). Damit entfällt die Grundlage für die halbherzige Entscheidung des Bundesinstituts für Arzneimittel, die Erstverordnung von "Pillen" des Typs FEMOVAN/MARVELON nur für Frauen unter 30 Jahren auszuschließen. Das Amt war von der Annahme ausgegangen, Frauen über 30 Jahre könnten von einem positiven Einfluß der Kontrazeptiva auf das arterielle System profitieren. Bedeutung kommt dem Nikotinkonsum zu: Frauen, die rauchen und die "Pille" nehmen – gleich welcher Generation –, haben eine zehnmal höhere Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarktes als nichtrauchende Anwenderinnen. Das Risiko venöser Thrombosen und Lungenembolien scheint Nikotin jedoch nicht zu erhöhen, wohl aber Übergewicht. Ovulationshemmer vom Typ FEMOVAN/MARVELON gehören u.E. zu Mitteln der letzten Wahl, wenn Levonorgestrel- und Norethisteron-haltige "Pillen" unverträglich sind. Die Rechtsprechung gebietet ohnehin, bei identischem "Behandlungs"-Erfolg die risikoärmere Alternative zu wählen, um vor vermeidbaren Risiken zu schützen, –Red.


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