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Kokain und Myokardinfarkt: Mit retrosternalen Schmerzen, Schweißausbrüchen und Erbrechen wird ein 32jähriger in eine Bremer Klinik eingeliefert. Der Verdacht auf akuten Herzinfarkt bestätigt sich. Koronarangiographisch findet sich eine 75%ige Stenose, die sich erfolgreich dilatieren läßt. Als Risikofaktoren bestehen familiäre Belastung, Hypercholesterinämie, Rauchen von 60 Zigaretten pro Tag, essentielle Hypertonie mit Einnahme eines Betarezeptorenblockers und mäßiger Kokainabusus seit drei Jahren. Etwa eine Stunde vor der akuten Symptomatik hat der junge Mann nach ausgiebigem Alkohol- und Nikotingenuß Kokain geschnupft (BREMER MODELL/NETZWERK-Bericht 8473). Seit 1982 existieren mehr als 100 Berichte über Myokardinfarkt unter Kokain. Das Durchschnittsalter der Betroffenen liegt bei 38 Jahren. Gerade junge Patienten mit akutem Herzinfarkt sollten nach Kokain befragt werden. Trotz häufigerer Rhythmusstörungen in den ersten 12 Stunden verlaufen die Infarkte meist ohne schwere Komplikationen (HOLLANDER, J. E. et al.: Arch. Int. Med. 155 [1995], 1081). Als Auslöser gelten in erster Linie Koronarspasmen, die durch Rauchen und Einnahme eines Betablockers verstärkt werden können. In der Behandlung eines kokaininduzierten Infarktes und in der Sekundärprävention sind daher Betablocker – besonders bei Rauchern – zu meiden (HOLLANDER, J. E.: N. Engl. J. Med. 333 [1995], 1267).


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