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Kurz und bündig

Nitroglyzerin-Externa gegen chronische Analfissuren: Stechender Schmerz und schmerzhafte Verkrampfung des Schließmuskels bei Stuhlabgang sowie Stunden anhaltender Nachschmerz lassen an Analfissuren denken. Während der akute, beispielsweise durch abrupte anodermale Überdehnung entstandene Einriß unter sorgfältiger Hygiene und symptomatischer Schmerzlinderung (z.B. mit Lokalanästhetika) meist von selbst ausheilt, gelten für länger als sechs Wochen anhaltende chronische Beschwerden chirurgische Maßnahmen als Behandlung der Wahl (Drug Ther. Bull. 28 [1990], 3). Da Fissuren auch von selbst ausheilen und Operationen mit Inkontinenz einhergehen können, erscheint ein medikamentöser Behandlungsversuch mit einem Nitroexternum gerechtfertigt. Mit 0,2% bis 0,8% Nitroglyzerin enthalten die Rezepturen (z.B. NEOS NITRO OPT Salbe 5 g, weißes Vaselin ad 50 g [0,2%], Pharm. Ztg. 141 [1996], 2419) 10% bis 40% der in Angina-pectoris-Externa gebräuchlichen Wirkstoffmenge. Über Freisetzung von Stickstoffmonoxid, das die glatte Muskulatur entspannt, scheinen Nitroverbindungen zur Erschlaffung des inneren Analsphinkters beizutragen, vergleichbar einer reversiblen "chemischen Sphinkterotomie". Schmerzen klingen meistens für zwei bis sechs Stunden nach der Anwendung ab. In zwei Pilotstudien heilen chronische Analfissuren nach sechs Wochen bei 18 (86%) von 21 Patienten (2 x tgl. 0,2%ige Creme) bzw. bei 9 (47%) von 19 Patienten (2 x tgl. 0,2% bis 0,8%). Mit nitrattypischen Kopfschmerzen ist zu rechnen. Zunächst effektive Dosierungen können ihre Wirksamkeit verlieren (Tachyphylaxie). Vor routinemäßigem Gebrauch von Nitroexterna gegen chronische Analfissuren (keine zugelassene Indikation) bleiben die günstigste Wirkstoffkonzentration und Anwendungshäufigkeit zu klären (GORFINE, S. R.: N. Engl. J. Med. 333 [1995], 1156; WATSON, S. J. et al.: Brit. J. Surg. 83 [1996], 771; LUND, J. N. et al.: Brit J. Surg. 83 [1996], 776; SIMONS, A. J., R. W. BEART: Lancet 348 [1996], 491).


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