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Migränetherapie intranasal? Das Spektrum der Migränemittel reicht von Azetylsalizylsäure (ASPIRIN u.a.) gegen leichte Attacken bis hin zu Sumatriptan (IMIGRAN), wenn Analgetika und Ergotamin (ERGO KRANIT MONO u.a.) nicht genügend ansprechen. Wegen der bisweilen zu langsamen Absorption aus Tabletten oder unerwünschter Effekte (z.B. seltene, aber lebensbedrohliche vaskuläre Ereignisse unter Sumatriptan; a-t 1 [1995], 7) sind Alternativen gefragt. Jetzt erweist sich in einer plazebokontrollierten Doppelblindstudie in die Nase getropftes Lidokain (XYLOCAIN 4% wässrige Lösung, für diese Anwendung nicht zugelassen) als wirksam gegen akute Migräneattacken. Von 53 Patienten, die eine vierprozentige Lidokain-Lösung intranasal erhalten, erfahren 29 (55%) innerhalb von 15 Minuten eine mindestens 50%ige Besserung der Kopfschmerzintensität im Vergleich zu 6 (21%) von 28 Personen unter Plazebo. Übelkeit und Lichtscheu lassen nach. Die Autoren gehen von einem Einfluß von Lidokain auf sensible Fasern des Ganglion pterygopalatinum aus, das in der Nasenregion liegt und unter anderem mit dem Trigeminussystem in Verbindung steht (MAIZELS, M. et al.: J. Am. Med. Ass. 276 [1996], 319). Das Mutterkornderivat Dihydroergotamin (z.B. Schweiz: DIHYDROERGOT Nasalspray) und das Opioid Butorphanol (USA: STADOL) sind bereits als Nasenzubereitungen erhältlich bzw. befinden sich in Erprobung. Sumatriptan erhielt jetzt in den Niederlanden die Zulassung als Nasenspray: Eine Stunde nach einer 20-mg-Dosis verspüren 53% der Patienten Linderung im Vergleich zu 70% nach 6 mg als Injektion und 28% nach einer 50-mg-Tablette. Nach zwei Stunden liegen die Erfolgsraten bei 64%, 82% bzw. 51% (Scrip 2137 [1996], 21). Gefäßverengend wirkende Sympathomimetika-haltige Nasentropfen vom Typ des OTRIVEN können das Schleimhautepithel schädigen (Nasentropfen-Rhinitis) und sollen daher nur maximal zwei Wochen lang verwendet werden. Wir befürchten ein ähnliches Schädigungsmuster durch ebenfalls gefäßverengend wirkende, örtlich in die Nase eingebrachte Migränemittel wie Sumatriptan oder Mutterkornalkaloide, –Red.


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