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Nachwirkungen

Endlich – Madaus zieht ECHINACIN-Ampullen zurück: "Wir haben uns entschlossen, die ECHINACIN-Ampullen nicht weiter im Markt zu führen, da die Nachzulassung dieses Präparates nicht mehr weiter verfolgt wird," lautet die knappe Mitteilung des Verzichts von Madaus auf die parenterale Zubereitung mit Purpursonnenhutkrautpreßsaft (Pharm. Ztg. 141 [1996], 4447). Seit zehn Jahren berichten wir über zum Teil lebensbedrohliche immunallergische Folgen der nicht verschreibungspflichtigen (!) Injektion (a-t 6 [1986], 53). Nachprüfbare klinische Befunde für die postulierte Steigerung der Abwehrkräfte fehlen. Die Rücknahme noch auf dem Markt verbliebener Injektionslösungen (PASCOTOX FORTE, Echinacea-pallida-Wurzelextrakt) ist überfällig. Auch in den Tropfen- und Tabletten-Zubereitungen sehen wir unnötig riskante Arzneimittel von zweifelhaftem Nutzen für zumeist banale Indikationen.

Von 18 NETZWERK-Berichten zu unerwünschten Wirkungen in Verbindung mit Echinacea-Extrakt-haltigen Präparaten entfallen 8 (44 %) auf Ampullen und 10 (56%) auf Tabletten und Tropfen – darunter lebensbedrohliche Reaktionen wie "monströse Zungen- und Schlundschwellung" mit Atemnot 20 Minuten nach Einnahme von ESBERITOX N (Bericht 4510) und tödlich verlaufende Rhabdomyolyse mit protrahiertem Schock nach TOXI-LOGES-Tropfen und Ibuprofen (BRUFEN u.a.)-Tabletten (4601). Ein 35jähriger entwickelt einen Tag nach Einnahme von ESBERITOX-N- Lösung Schleimhautblutungen bei Thrombopenie und hämolytischer Anämie. Elf Tage später stirbt der junge Mann an intrakranieller Massenblutung (6617).

Information über unerwünschte Wirkungen von Echinacea-Präparaten versucht Madaus zu unterdrücken: Die Veröffentlichung einer Mitteilung der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft über 97 Verdachtsmeldungen (Dtsch. Ärztebl. 93 [1996], C-1926), die routinemäßig vorab den Herstellern zuging, wollte die Firma durch Klageandrohung unterbinden. Die Rote Liste 1996 (51 010) nennt für ECHINACIN per os keine Störwirkungen, –Red.


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