Die Information für Ärzte und Apotheker
Neutral, unabhängig und anzeigenfrei
arznei-telegramm® kennenlernen! Digital, print oder kombiniert.
Bestellen Sie ein Probeabo
vorheriger Artikela-t 1997; Nr.7: 76-7nächster Artikel
Korrespondenz

DESINFEKTION DER SCHEIDE MIT HEXETIDIN (VAGI-HEX)?

Wie beurteilen Sie das Präparat VAGI-HEX (enthält 10 mg Hexetidin als Vaginaltablette, Red.), das laut Broschüre "in jedem Lebensalter und auch in der Schwangerschaft prophylaktisch und therapeutisch" zur vaginalen Desinfektion eingesetzt werden kann?

G. ROSENBAUM (Fachapotheker f. Klin. Pharmazie)
D-31132 Hildesheim

Als Anwendungsgebiete von Hexetidin-Vaginaltabletten (VAGI-HEX) werden u.a. Vermeidung aszendierender Infektionen nach vorzeitigem Blasensprung sowie präoperative Prophylaxe vor vaginalen operativen Eingriffen angegeben. Diese Empfehlung ist barer infektiologischer Unsinn. Nicht einmal Lokalantibiotika mit einem wesentlich breiteren Wirkungsspektrum als Hexetidin sind in der Lage, aszendierende Infektionen bei Blasensprung zu vermeiden oder präoperativ die Keime in der Vagina soweit zu reduzieren, dass das Infektionsrisiko vermindert wird. Bei beiden Indikationen sind, wenn überhaupt, nur parenterale Antibiotika indiziert. Zur perioperativen Antibiotikaprophylaxe bei vaginalen Eingriffen genügt eine einzige Dosis z.B. eines Basis-Cefalosporins in Kombination mit Metronidazol (CLONT u.a.) bei Anästhesieeinleitung.

Prof. Dr. med. F. DASCHNER
Inst. f. Umweltmedizin u. Hygiene, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
D-79106 Freiburg

Behauptungen in einer VAGI-HEX Werbebroschüre1 wie "Schutz des ungeborenen Lebens während der Schwangerschaft und der Geburt" oder "Verhinderung des vorzeitigen Blasensprungs" stehen im Widerspruch zu den zugelassenen Anwendungsgebieten. Sie gefährden möglicherweise die Frucht, da ausreichende Erfahrungen nur für das letzte Schwangerschaftsdrittel vorliegen.2 Selbst durch die Zulassung gedeckte Indikationen lassen sich kaum nachvollziehen: Lediglich eine gemeinsame Auswertung von fünf bruchstückhaft referierten Studien unzureichender Qualität ist veröffentlicht. Demnach nehmen Keimzahlen bei 25 Frauen mit vaginalen Infektzeichen nach einmaliger Anwendung des Antiseptikums ebenso zu wie in einer unbehandelten Kontrollgruppe. Gebrauchen Frauen VAGI-HEX fünf Tage lang prophylaktisch bei "Frühgeburtsbestrebungen" oder vor Operationen, lassen sich wichtige Keime wie E. coli, Proteus, Klebsiellen und B-Streptokokken bei bis zu 80% weiterhin nachweisen. Hinweise auf eine geringere Häufigkeit des vorzeitigen Blasensprungs finden sich nicht.3 Auch bei vaginalen Infektionen ist die gezielte antibakterielle bzw. antimykotische Behandlung der breit gestreuten "Oberflächenkosmetik" vorzuziehen, -Red.

1

VAGI-HEX-Fachinformation, Stand Jan. 97

2

Drossa Pharm: VAGI-HEX Werbebroschüre, 2/97

3

WEIDINGER, H. et al.: Geburtsh. u. Frauenheilk. 51 (1991), 929


© 1997 arznei-telegramm

Diese Publikation ist urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung sowie Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen ist nur mit Genehmigung des arznei-telegramm® gestattet.

vorheriger Artikela-t 1997; Nr.7: 76-7nächster Artikel