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Pankreatitis unter Mesalazin (SALOFALK u.a.): Ein 26jähriger mit Verdacht auf Morbus CROHN klagt nach dreitägiger Einnahme von täglich 2 g Mesalazin (SALOFALK u.a.) über starke Oberbauchschmerzen. Im Krankenhaus wird eine Pankreatitis mit Anstieg der Lipase auf 1.460 U/l festgestellt. Hinweise auf Alkoholexzess oder Steine im Gallengang liegen nicht vor. Innerhalb von einer Woche nach Absetzen des Salizylats verschwinden die Beschwerden. Die Lipasewerte normalisieren sich. Zwei weitere Therapieversuche mit Mesalazin führen innerhalb von 24 Stunden erneut zu Schmerzen und Anstieg der Lipase bis 2.600 U/l (Bremer Modell/NETZWERK-Bericht 9041). Insgesamt dokumentieren wir im NETZWERK bzw. Bremer Modell vier Entzündungen der Bauchspeicheldrüse in Verbindung mit Mesalazin. Dreimal folgt der Reexposition ein Rezidiv. Auch bei Kindern kommt die Schädigung vor (ABDULLAH, A. M. et al.: J. Pediatr. Gastroenterol. Nutr. 17 [1993], 441). Die Häufigkeit der in der Rote Liste 1997 unter "Einzelfällen" aufgeführten Störwirkung wird auf 1:1.000 Personenjahre geschätzt. In Frankreich werden innerhalb von zwei Jahren 14 Entzündungen der Bauchspeicheldrüse auf das Mesalazin-haltige Präparat PENTASA zurückgeführt. Dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte liegen 35 Berichte über Pankreatitis in Verbindung mit Aminosalizylaten vor. 31 betreffen das meistverordnete Mesalazin, drei das Sulfonamidsalizylat Sulfasalazin (AZULFIDINE u.a.) und einer die Mesalazin-Doppelverbindung Olsalazin (DIPENTUM). Der Mechanismus der Störwirkung bleibt offen. Neben toxischen kommen allergische Effekte in Frage. Nach Wechsel auf ein anderes Aminosalizylat kann die Pankreatitis erneut aufflackern (Geneesmiddelen bulletin 30 [1996], 146; MARTEAU, P. et al.: Aliment. Pharmacol. Ther. 10 [1996], 949/ati d). Setzen unter Mesalazin Oberbauchschmerzen ein, ist eine medikamentös bedingte Pankreatitis von anderen gastrointestinalen Beschwerden bei Morbus CROHN und Colitis ulcerosa abzugrenzen.

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