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Korrespondenz

SULFONYLHARNSTOFF-ANTIDIABETIKA
... offener Brief an das BfArM

... Neuerliche tierexperimentelle Untersuchungen haben den Verdacht aus einer früheren prospektiven randomisiert kontrollierten Interventionsstudie1 erhärtet, dass die orale Therapie mit Sulfonylharnstoffen zumindest bei Typ-II-Diabetikern mit einer koronaren Herzkrankheit ein erhebliches Gefährdungspotential bei Zuständen koronarer Minderdurchblutung nach sich zieht (a-t 4 [1997], 41, -Red.).2 Wir haben daher in dem von mir herausgegebenen Lehrbuch "Diabetes mellitus"3 bereits im Jahre 1995 die Therapie mit oralen Antidiabetika bei Typ-II-Diabetes-Patienten mit koronarer Herzkrankheit abgelehnt.

Neuerliche prospektive Untersuchungen in Schweden haben einen erheblichen Unterschied in der Prognose (Mortalität) bei Typ-II-Diabetikern nach einem Myokardinfarkt zwischen einer Kontrollgruppe (überwiegend mit oralen Antidiabetika behandelt) und einer mit Insulin behandelten Gruppe ergeben (relative Reduktion der Mortalität um 29%).4 Dieser alarmierende Befund ist unserer Ansicht nach und zufolge einer öffentlichen Diskussion kürzlich während des Jahreskongresses der American Diabetes Association in Boston durchaus mit einer negativen Wirkung der Sulfonylharnstoffe auf das hypoxische Myokard vereinbar.

Ich möchte hiermit das Bundesinstitut für Arzneimittel auffordern, diesen für mindestens 50% der 4 Millionen Typ II Diabetiker in Deutschland relevanten Sachverhalt zu überprüfen, zur Sicherung bzw. Entkräftung der hypothetischen Schädlichkeit der Sulfonylharnstoffe bei diabetischen Patienten mit koronarer Herzkrankheit entsprechende Untersuchungen zu veranlassen und bis zu deren Abschluss sicherzustellen, dass eine entsprechende Warnung in die Produktinformation aufgenommen wird.

Prof. Dr. med. Dr. h. c. M. BERGER
Klinik f. Stoffwechselkrankheiten und Ernährung
D-40225 Düsseldorf

1

UGDP-Studie, Diabetes 19 : Suppl. 2 (1970), 785

2

LEIBOWITZ, G., E. CERASI: Diabetologia 39 (1996), 503

3

Urban und Schwarzenberg, München, 1995, Seite 544

4

DIGAMI-Studie; MALMBERG, K. et al.: J. Am. Coll. Cardiol 26 (1995), 57 sowie Brit. Med. J. 314 (1997), 1512


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