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Warnhinweis

HERZKLAPPENSCHÄDEN
AUCH NACH MONOTHERAPIE MIT APPETITHEMMERN

33 meist multiple Herzklappenschäden in Verbindung mit der kombinierten Einnahme der Appetithemmer Phentermin (z.B. FASTIN [USA]) plus Fenfluramin (PONDERAX) waren der amerikanischen Arzneimittelbehörde im Juli bekannt (a-t 8 [1997], 88). Inzwischen überblickt die FDA 91 Berichte.1

Zusätzlich sind Personen betroffen, die nur Fenfluramin (zwei Patienten), nur Dexfenfluramin (ISOMERIDE; vier [evtl. fünf3]) oder Dexfenfluramin plus Phentermin (zwei Patienten) eingenommen haben.2 Die lebensbedrohliche Fibrosierung einer oder mehrerer Herzklappen bleibt somit nicht auf die USA begrenzt, wo die kombinierte Anwendung der Appetithemmer zwar nicht zugelassen, aber als "Fen-Phen" verbreitet ist, sondern muss auch jedem Arzt bewusst sein, der die Appetithemmer einzeln verordnet.4 Entsprechende Warnhinweise fehlen in den hiesigen Produktinformationen.

Die fibrosierende Herzklappenerkrankung und die nekrotisierende Arteriitis mit fibrinoider Nekrose der Gefässwand bei Lungenhochdruck5 beruhen wahrscheinlich auf einem gemeinsamen Schädigungsprinzip.2 Ein Zusammenhang mit erhöhter Konzentration oder verstärkten Effekten zirkulierenden Serotonins wird vermutet. Nach nur 23tägiger Einahme von Fenfluramin/Phentermin entwickelt eine 29jährige Frau pulmonale Hypertonie und verstirbt acht Monate später.5 Schäden nach so kurzer Exposition sind auch von anderen Appetithemmern bekannt.4,5

Fenfluramin und Dexfenfluramin schädigen in Versuchen an verschiedenen Tieren in üblicher therapeutischer Dosierung zerebrale Serotonin-Neurone. Der Effekt kann Wochen bzw. Monate anhalten.6 Neurotoxische Folgen beim Menschen sollen jetzt in einer US-amerikanischen Postmarketing-Studie untersucht werden.7

Von einer Gewichtsreduktion profitieren Übergewichtige nur, wenn das Körpergewicht langfristig gesenkt werden kann. Für Appetithemmer ist weder belegt, dass ihre Wirkung die Einnahmezeit überdauert, noch, dass sie Übergewicht-bedingten Erkrankungen vorbeugen oder Leben verlängern können.

Angesichts der lebensbedrohlichen Risiken wie Lungenbluthochdruck (a-t 10 [1996], 104) und Herzklappenerkrankung sowie des zweifelhaften Nutzens sehen wir für Appetithemmer keine Indikation. Wer langfristig Gewicht verlieren will, muss Ernährungsweise und Lebensgewohnheiten umstellen (mehr körperliche Bewegung, Selbsthilfegruppe).


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