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Korrespondenz

FINASTERID GEGEN HAARAUSFALL - BUSEN STATT GLATZE?

Wie beurteilen Sie die Einnahme von Finasterid (PROSCAR) gegen Haarausfall?

R. THIEL (Arzt für Allgemeinmedizin)
D-51427 Bergisch Gladbach

Zur unterstützenden Behandlung der benignen Prostatahyperplasie hat sich Finasterid (PROSCAR) als nur mäßig erfolgreich erwiesen (a-t 12 [1994], 114). Der 5-alpha-Reduktasehemmer bremst die Umwandlung von Testosteron in seinen aktiven Metaboliten Dihydrotestosteron (DHT). DHT soll auch für den männlichen Haarausfall verantwortlich sein. Diese bei Kastraten nicht auftretende Form der Alopezie lässt sich theoretisch mit Östrogenen oder Antiandrogenen behandeln. Praktisch stehen dem aber ausgeprägte Feminisierungserscheinungen entgegen. Auch Finasterid verschiebt das Hormongleichgewicht in Richtung Östrogene.

MSD will nächstes Jahr ein Finasterid-Präparat für die Indikation Haarausfall einführen (vorgesehener Handelsname PROPECIA), das mit 1 mg pro Tablette ein Fünftel der PROSCAR-Dosis enthält.

In zwei bisher unveröffentlichten Studien nehmen 1.500 Männer mit leichter bis mäßiger androgenetischer Alopezie täglich 1 mg Finasterid oder Scheinmedikament ein. Nach einem Jahr sollen sich in einem Areal von etwa 5 cm² im Mittel 107 Haare mehr nachweisen lassen. Klinische Prüfer stellen bei 65% der mit Finasterid Behandelten verstärkten Haarwuchs fest, im Vergleich zu 37% unter Scheinmedikament. Anwender beurteilen die Erfolgsrate mit 53% bzw. 30%.1,2

Der mögliche haarwuchsfördernde Effekt wird mit typischen antiandrogenen Störwirkungen (bis 5% unter PROSCAR) erkauft. In klinischen Studien mit 1 mg Finasterid sollen 1,8% über verminderte Libido klagen, 1,3% über Erektionsschwierigkeiten. Bei knapp 1% nimmt das Ejakulationsvolumen ab.1 Unter PROSCAR müssen Anwender häufig mit zum Teil knotiger Gynäkomastie rechnen, die gelegentlich eine operative Entfernung erfordert. Zwei Jahre nach weltweiter Markteinführung nimmt Finasterid im WHO-Register bereits Rang 4 der am häufigsten Gynäkomastie verursachenden Arzneimittel ein.3 FDA-Mitarbeiter berichten über zwei Männer, bei denen während der Behandlung ein Mammakarzinom entdeckt wird (a-t 10 [1996], 93). Unter Finasterid finden sich Missbildungen der äußeren Genitalien bei männlichen Nachkommen. Da der 5-alpha-Reduktasehemmer in die Spermienflüssigkeit übergeht, müssen Männer ein Kondom benutzen, wenn die Partnerin schwanger werden kann. Wir bezweifeln die Behauptung des Herstellers, dass die geringere Dosis eine sichere Anwendung ermöglicht,4 -Red.

1

Scrip 2226 (1997), 24

2

WHITING, D. A. (Abstract): Satellitensymposium, Europ. Congress Dermatol. Venerol., Dublin , 11. Sept. 1997

3

Biverkningsnytt: Läkartidningen 93 (1996), 489

4

Scrip 1916 (1994), 30


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