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Cholesterin-Synthesehemmer demnächst für Gesunde? Wenn es nach den Vorstellungen US-amerikanischer Wissenschaftler ginge, soll auch der "gesunde Mann auf der Straße" vorbeugend Cholesterin-Synthesehemmer einnehmen. Anlass sind vorläufige Ergebnisse einer Studie mit 6.600 Personen ohne Hinweis auf eine koronare Herzkrankheit. Die 45- bis 73-jährigen vorwiegend männlichen Teilnehmer, deren Gesamt- und LDL-Cholesterin-Werte im Normbereich liegen und deren HDL-Cholesterin lediglich mäßig erniedrigt ist (unter 50 mg/dl), nehmen täglich 20 mg bis 40 mg Lovastatin (MEVINACOR) oder Plazebo ein. Innerhalb von fünf Jahren erleiden unter Verum 3,7% einen Herzinfarkt, die erste Attacke einer instabilen Angina pectoris oder einen plötzlichen (Herz-) Tod im Vergleich zu 5,7% unter Scheinmedikament. Die Differenz von 2% wird - beispielsweise in der Ärzte Zeitung oder einem Pressedienst (s. Abb.) - zur "Risikominderung um 36%" aufgeblasen (s. auch a-t 5 [1990], 49). Mit Lovastatin soll sich "das statistische Risiko reduzieren" lassen, das durch Hochdruck oder Zigarettenrauchen entsteht. Allenfalls am Rande wird erwähnt, dass sowohl Gesamtsterblichkeit als auch kardiovaskulär bedingte Todesfälle unbeeinflusst bleiben. Dessen ungeachtet rät der Leiter der Studie, den HDL-Spiegel bei allen Personen der untersuchten Altersgruppe zu kontrollieren und diese ggf. vorbeugend mit Lovastatin zu "behandeln". Auf diese Weise könnten die Hersteller einige Millionen neue Kunden gewinnen und die Kassen pro Million Behandelter rund 1 Milliarde DM verlieren (Scrip 2286 [1997], 16; Ärzte Ztg. vom 14./15. Nov. 1997, ati/d).


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