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Korrespondenz

ASTHMAMITTEL CLENBUTEROL
(SPIROPENT) GEGEN MUSKELSCHWUND?

In der Laienpresse soll ein Artikel gestanden haben, der den therapeutischen Einsatz von Clenbuterol bei Muskeldystrophie beschreibt. Ist Ihnen eine solche positive Wirkung auf die Muskeldystrophie bekannt?

Dr. med. M. REPSCHLÄGER (Arzt für Kinderheilkunde)
D-35745 Herborn

Der "Kälbermastskandal" 1988 sowie die Verwendung als Dopingmittel für Leistungssportler oder Bodybuilder brachten das zur Behandlung chronischer asthmatischer Beschwerden zugelassene Clenbuterol (SPIROPENT) bereits früher in die Schlagzeilen der Laienpresse. Bei Tieren, die Clenbuterol erhalten, hypertrophieren einzelne Muskelgruppen. Denervierte Muskulatur atrophiert weniger als bei Kontrolltieren. So behandelte Mäuse ermüden jedoch schneller und entwickeln Deformitäten an Hinterbeinen und Wirbelsäule.1

Der Hersteller Boehringer Ingelheim hat Untersuchungen zur Ausweitung der Indikationen auf Muskeldystrophie oder -atrophie weder durchgeführt noch initiiert.2 Bei Patienten nach Meniskektomie deutet eine Doppelblinduntersuchung auf verbesserte Muskelkraft im operierten Bein hin.3 Eine weitere Arbeit beschreibt lediglich kasuistisch eine Zunahme der Muskelkraft bei einem jüngeren Patienten mit einer nicht klassifizierbaren neuromuskulären Erkrankung.4 Da kontrollierte Studien zur Wirksamkeit von Clenbuterol fehlen, raten wir außerhalb klinischer Studien von einem Therapieversuch mit dem Asthmamittel bei neuromuskulären Erkrankungen ab, -Red.

1

DUPONT-VERSTEEGDEN, E. E. et al.: Muscle & Nerve 18 (1995), 1447

2

Boehringer Ingelheim: Schreiben vom 24. Juli 1998

3

MALTIN, C. A. et al.: Clinical Science 84 (1993), 651

4

FLOSSDORF, W. et al.: Münch. med. Wschr. 140 (1998), 212


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