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Korrespondenz

MULTIPLE SKLEROSE DURCH HEPATITIS-B-IMPFUNG
(GEN H-B-VAX U.A.)?

Ist Ihnen ein Zusammenhang zwischen Hepatitis-B-Impfung (GEN H-B-VAX u.a.) und Multipler Sklerose bekannt? In Frankreich soll das Impfprogramm deshalb teilweise gestoppt worden sein.

NN (Arzt für Allgemeinmedizin)
(Name und Anschrift der Redaktion bekannt)

Frankreich hat am ersten Oktober das 1995 eingeführte Impfprogramm gegen Hepatitis B in Schulen1 vorübergehend gestoppt.2 Es soll geklärt werden, ob die Vakzine (HB VAX [F]) demyelinisierende Erkrankungen, insbesondere Multiple Sklerose, auslösen kann. Jugendliche können aber weiterhin vom Hausarzt geimpft werden. Auch die Impfempfehlung für alle Kleinkinder bleibt bestehen.

Mit dem nicht plausiblen isolierten Stopp des Schulimpfprogramms gibt das französische Gesundheitsministerium nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dem massiven Druck von Impfgegnern nach.3 Neue Erkenntnisse, die den in Einzelberichten geäußerten Verdacht auf Zusammenhang zwischen demyelinisierenden Erkrankungen und Hepatitis-B-Vakzine* bestätigen, liegen nicht vor. Nach Daten aus dem Spontanerfassungssystem der WHO sollen Impflinge nicht häufiger erkranken, als in der Allgemeinbevölkerung zu erwarten wäre (0,1-0,8 pro 100.000).1 Zwei bisher nur als Abstract veröffentlichte Fallkontrollstudien aus Frankreich und Großbritannien können einen Zusammenhang weder ausschließen noch belegen.4

Beim derzeitigen Kenntnisstand erachten wir die Nutzen/Risiko-Bilanz der Impfung für Personen mit erhöhter Infektionsgefahr als positiv. Dazu gehören Jugendliche mit ersten Sexualkontakten, nicht aber Kleinkinder ohne besondere Exposition (vgl. a-t 3 [1997], 32), - Red.

1

Rev. Prescr. 18 (1998), 439

2

Scrip 2376 (1998), 4

3

Press Release WHO/67 vom 2. Okt. 1998

4

Rev. Prescr. 18 (1998), 765

*

Verdachtsberichte existieren beispielsweise auch für die Hepatitis-A- und FSME- Impfung (vgl. a-t 3 [1995], 32) sowie die Polio-Schluckimpfung.


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