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ANALGETIKUM DEXKETOPROFEN (SYMPAL)

Gegen "heftige akute Schmerzen" wird Dexketoprofen (SYMPAL) beworben,1 die rechtsdrehende Form des Alt-Antirheumatikums Ketoprofen (ALRHEUMUN u.a.). Dabei scheint dem Marketing egal zu sein, dass "der letzte Schrei"1 lediglich gegen leichte bis mittelstarke Schmerzen zugelassen ist.2

Maximale Plasmakonzentrationen werden nüchtern nach 15 bis 60 Minuten erreicht2 (zum Vergleich: Parazetamol [BENURON] nach 30 bis 60 Minuten), bei gleichzeitiger Nahrungsaufnahme zum Teil erst nach 1,5 Stunden.3

Bei Dysmenorrhoe und Zahnschmerzen nach Eingriffen stillt Dexketoprofen Schmerzen nicht effektiver als das Razemat Ketoprofen.4,5 Im Vergleich zu 150 mg Ketoprofen lindern täglich 75 mg Dexketoprofen Beschwerden bei Kniearthrose nach drei Wochen zwar signifikant besser, nicht aber nach einer Woche.6 Postoperative Zahnschmerzen sprechen auf 20 mg Dexketoprofen genauso an wie auf 400 mg Ibuprofen (BRUFEN u.a.).7 Vergleiche mit Standardanalgetika wie Azetylsalizylsäure (ASPIRIN u.a.) und Parazetamol finden wir nicht.

Störwirkungen entsprechen weitgehend denen von Ketoprofen beziehungsweise anderen nichtsteroidalen Entzündungshemmern. Hinsichtlich der Verträglichkeit schneidet die Muttersubstanz Ketoprofen schlechter ab als Ibuprofen (a-t 10 [1994], 94).

Dexketoprofen (SYMPAL) kostet bei einer Tagesdosis von 75 mg 2,71 DM und damit 16% bis 200% mehr Ketoprofen (ALRHEUMUN: 2,33 DM für 150 mg, GABRILEN: 0,90 DM) und 110% mehr als 1.200 mg Ibuprofen (IBUPROFEN 400 STADA: 1,29 DM). Gegenüber preiswerten Azetylsalizylsäure- Präparaten (ASS 500 VON CT; 0,33 DM für 1.500 mg) verteuert SYMPAL die Behandlung sogar um das Siebenfache.

FAZIT: Anwendungsgebiete nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) werden zunehmend in den Bereich der "kleinen" Analgetika ausgedehnt. Hierzu gehört auch das jetzt ebenfalls ausschließlich als Analgetikum angebotene Naproxen-Präparat ALEVE. Für Dexketoprofen (SYMPAL) sehen wir weder Wirk- noch Verträglichkeitsvorteile gegenüber Standardanalgetika einschließlich NSAR-Schmerzmitteln wie Ibuprofen (BRUFEN u.a.). Bei postoperativen Schmerzen sind NSAR wegen der Gefahr des Nierenversagens kontraindiziert (vgl. a-t 6 [1987], 52). Zur Behandlung leichter bis mäßig starker Schmerzen bleiben Azetylsalizylsäure (ASPIRIN u.a.), Ibuprofen und Parazetamol (BENURON u.a.) Mittel der Wahl.


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