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Korrespondenz

NOCHMALS: HEPATITIS-B-IMPFUNG
FÜR KINDER UND JUGENDLICHE

Wie sieht Ihre derzeitige Empfehlung für Hepatitis-B-Impfungen bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen aus?

C. SEESCHAAF (Apothekerin)
D-31073 Delligsen

Die Hepatitis B ist in westlichen Ländern in erster Linie eine Erkrankung von Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen.1 Am häufigsten erkranken die 15- bis 25-jährigen: jährlich 13 bis 17 pro 100.000.2 Etwa ein Viertel aller 50.000 Neuerkrankungen pro Jahr betrifft diese Altersgruppe.1 Vor allem erste und wechselnde sexuelle Kontakte, aber auch Gebrauch intravenöser Drogen spielen als Übertragungsweg eine Rolle. 5% bis 10% der Erkrankungen verlaufen chronisch, etwa ein Drittel der Betroffenen muss mit chronisch aktiver Hepatitis, Leberzirrhose oder Karzinom rechnen.1,2 Die Nutzen-Risiko-Bilanz der Impfung für Jugendliche erscheint positiv. Bei 12 Millionen Impfdosen für Kinder und Jugendliche wurden in Italien zwischen 1991 und 1995 408 unerwünschte Wirkungen gemeldet, davon 28 hauptsächlich neurologische (vgl. a-t 11 [1998], 104) als schwer eingestuft.3

Im Kindesalter verläuft die Hepatitis B häufiger chronisch, bei Neugeborenen zu 90%, im Kleinkindalter zu 30% bis 40% und erst im Schulalter ähnlich wie bei Erwachsenen.4 Kinder werden hierzulande vorwiegend durch die Mutter vor oder während der Geburt infiziert. Eine hohe Gefahr geht auch von chronischen Virusträgern in der Familie aus. Das Infektionsrisiko in Kindergemeinschaftseinrichtungen wird als relativ gering erachtet.5 Andere Schätzungen gehen von "extrem niedrigem" Risiko für nicht besonders exponierte Kinder aus.6 Größere Untersuchungen dazu fehlen.5 Neugeborene infektiöser Schwangerer benötigen innerhalb der ersten 12 bis 24 Lebensstunden eine Prophylaxe mit Aktivimpfstoff (ENGERIX B u.a.) und Immunglobulin (HEPATITIS-B-IMMUNGLOBULIN BEHRING u.a.). Die allgemein empfohlene Säuglingsimpfung kommt für diese Kinder zu spät (a-t 3 [1997], 32). Die Indikation zur Impfung von Kindern soll nicht pauschal gestellt werden, sondern sich unseres Erachtens am individuellen Infektionsrisiko orientieren.


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