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virusgrippe: was bringt zanamivir (relenza)?
 
Wann kommt ein blitz-a-t zum "Grippemittel" RELENZA? Auf Grund der Pressemitteilungen glauben manche Patienten, sie könnten auf eine Impfung verzichten, weil es eine Therapie der Influenza gibt.

(BREUER, S., Köln).

VIRUSGRIPPE: WAS BRINGT ZANAMIVIR (RELENZA)?

Wir danken für die sanfte Erinnerung, daher "post"-wendend unser blitz-a-t. Schon Ende letzten Jahres schürte die Laienpresse Erwartungen in ein neues Wundermittel nach dem Motto: "Medizinsensation: Grippe endlich besiegt" (BZ, 10. Oktober 1998).

Seit heute kann mit Zanamivir (RELENZA) der erste Vertreter der neuen Wirkstoffgruppe der Neuraminidase-Hemmer zur Behandlung der Influenza A und B verordnet werden. Das Medikament behindert die Ausbreitung des Virus im Atemwegstrakt. Es muss auf Grund geringer oraler Bioverfügbarkeit zweimal täglich inhaliert werden. Im Krankheitsfall können Inhalationen, mit denen innerhalb der ersten 30 bis 36 Stunden nach den ersten Symptomen begonnen wird, die Dauer schwerer Beschwerden um ungefähr einen Tag verkürzen (im Mittel von 6 auf 5 Tage). Je früher der Neuraminidasehemmer angewendet wird und je kränker die Patienten sind, umso deutlicher ist der Nutzen. Die Häufigkeit von Folgeerkrankungen wie Bronchitis und Pneumonie scheint bei Risikopatienten geringer zu sein (siehe auch a-t 11/98, 104).

Eine Verringerung der Mortalität wie sie für die prophylaktische Impfung nachgewiesen ist, ist für Zanamivir nicht belegt. Die wenigen bislang zu Zanamivir veröffentlichten Daten reichen nicht aus, um für Patienten, die durch die Virusgrippe besonders gefährdet sind, einen eindeutigen Nutzen im Vergleich zu Plazebo zu belegen. Gleichfalls ist nicht untersucht, wie gut ältere Menschen das Inhalationsgerät handhaben können. Ausgehend von Erfahrungen mit Asthmatikern sind Probleme im Praxisalltag absehbar.

Zu Krankheitsbeginn, insbesondere bei einzeln auftretenden Erkrankungen, ist eine Influenza häufig nicht von anderen Atemwegsinfektionen abgrenzbar. Kostenträchtige Fehlverordnungen (58,19 DM pro 5-Tages-Packung) sind mögliche Folge.

Häufige Störwirkungen des Pulverinhalats sind Durchfall (3%), Übelkeit (3%), Erbrechen (1%) und Kopfschmerzen (2%). Resistenzentwicklung ist beschrieben. Bei Patienten mit Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale oder chronisch obstruktiver Lungenerkrankung scheint der Hemmstoff Luftnot und Obstruktion verschlimmern zu können. Asthma-Patienten müssen eine Notfallmedikation bei sich führen, wenn sie das Mittel anwenden. Vergleichsuntersuchungen mit Amantadin (INFEX u.a.), das zur (Prophylaxe und) Therapie der Virusgrippe Typ A zugelassen ist, fehlen.

Mit Zanamivir ist auch eine Prophylaxe der Virusgrippe möglich, jedoch angesichts der geringen Erfolge und hohen Kosten nicht ratsam und hierzulande nicht zugelassen: Nach den Ergebnissen der einzigen veröffentlichten Studie zur Prophylaxe müssten 25 Personen das Mittel vier Wochen lang inhalieren um eine einzige nachgewiesene Erkrankung an Virusgrippe verhindern zu können.

FAZIT: Zanamivir (RELENZA) ist nur zur Behandlung der Influenza A und B zugelassen. Bei frühzeitiger Inhalation (Beginn spätestens innerhalb von 48 Stunden nach Symptombeginn) kann der Neuraminidasehemmer bei ansonsten gesunden Erwachsenen die Krankheitsdauer um einen Tag verkürzen. Für Risiko-Patienten und über 65-jährige - also gerade für den besonders durch die Virusgrippe gefährdeten Personenkreis - ist ein Nutzen bislang nicht hinreichend belegt. Gerade diese Personengruppe sollte nicht auf die Influenza ("Grippe")-Impfung verzichten.

P.S. Literaturangaben sowie Weiteres zum Thema im kommenden a-t.

 
© Redaktion arznei-telegramm
blitz-a-t 1. Oktober 1999

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