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Fehlerquelle - NPH-Insulin in Pens gut aufschwemmen: Insulinpatronen mit dem Verzögerungshilfsstoff Protamin (NPH) sind vor Anwendung so lange zu rollen und um 180 Grad zu schwenken, bis sie komplett durchmischt sind. Die Flüssigkeit ist dann gleichmäßig getrübt. Wird das Humaninsulin vor Injektion unzureichend in Suspension gebracht, können unterschiedlich viele Insulinkristalle aufgezogen werden (a-t 1992; Nr. 1: 4-5). Angaben in Gebrauchsinformationen wie "ca. zehnmal ... hin und her kippen" (DEPOT- H15-INSULIN 100 HOECHST für OPTIPEN) reichen offenbar nicht aus: Bei Überprüfung der NPH-Insulin-Konzentration in angebrochenen Patronen von 109 langjährigen Typ-1- und -2-Diabetikern weicht der Gehalt in 71 (65%) Patronen um mehr als 20% vom Referenzwert ab. Patienten unter intensivierter Insulinbehandlung schneiden nicht besser ab als solche unter konventioneller Therapie. Zwar lässt sich ein Zusammenhang zwischen schlechter Durchmischung und Häufigkeit von Unterzuckerungen statistisch nicht absichern. Jedoch berichteten zehn Diabetiker, deren Patronen einen zu niedrigen Insulingehalt aufweisen, über hypoglykämische Episoden nach Anbruch einer neuen Patrone. Alle Studienteilnehmer geben an, ihr Verzögerungsinsulin vor der Injektion aufzuschwemmen, aber nur zehn rollen und schwenken ihre Pens mehr als zehnmal. In einem Labormodell sind dagegen 20 Schwenkzyklen für eine ausreichende Resuspendierung erforderlich. Allen an der Studie beteiligten Diabetikern wird die Technik der Aufschwemmung erläutert. Als die Patronen von 44 zufällig ausgewählten Personen drei bzw. sechs Monate später nochmals untersucht werden, hat die Qualität der Durchmischung bei 35 (80%) zugenommen, verbunden mit einer niedrigeren Rate an Unterzuckerungen. Offenbar ist es schwieriger, NPH-Insulin in Patronen aufzuschwemmen als in Injektionsfläschchen. Höhere Insulinkonzentration und fehlender Luftanteil dürften hierzu beitragen. Tierische Insuline liegen in Lösung vor, so dass es hier keine Dosierungsprobleme durch Entmischung gibt (JEHLE, P. M. et al.: Lancet 1999; 354: 1604-7/ati d).

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